al-Samidoun

Kommentare und Berichte zu Politik, Religion und Kultur mit Fokus auf den Nahen Osten.

Samstag, 16. April 2011

Zum Mord an Vittorio Arrigoni

Der brutale Mord an Vittorio Arrigoni ist ein relativ großes Thema in den arabischen Medien. Al-Jazeera und viele andere Sender und Zeitungen berichteten ausführlich und auch Al-Akhbar widmete dem Aktivisten die Titelseite.

Titelseite der libanesischen Zeitung Al-Akhbar

Hunderte Palästinenser gingen in Gedenken an Arrigoni auf die Straßen, um ihre Anteilnahme auszudrücken. Auch Isma'il Haniyya, ranghohes Mitglied der Hamas, hat auf einer Pressekonferenz den Mord vehement verurteilt.

Ohne jetzt abstrusen Verschwörungstheorien ("Israel ist schuld" etc.) zu verfallen ist es mir schleierhaft, welchen Nutzen die Salafisten aus dem Mord ziehen. Zwar möchte ich solchen religiösen Wahnsinnigen keine rationalen Beweggründe unterstellen, aber wie die Überschrift von Al-Akhbar feststellt ist der Mord tatsächlich in irgendeiner Weise ein "fundamentalistisches Geschenk an Israel". Schließlich wird die grausame Tat Auswirkungen auf andere pro-palästinensische Aktivisten haben, die sich in Zukunft zweimal überlegen werden überhaupt den Gazastreifen zu betreten. Dabei steht doch gerade eine weitere "Free Gaza Flotte" bevor. Netanyahu gab sich bisher die größte Mühe diese Flotille zu stoppen und bat die EU alles zu tun um zu verhindern, dass europäische Aktivisten teilnehmen.
Sympathien unter den Arabern dürften die Salafisten mit dem barbarischen Mord sicher nicht gewonnen haben. Ganz im Gegenteil. Nicht zuletzt dürfte es auch dem Ansehen der palästinensischen Sache weiter schaden, die nun noch viel mehr mit religiösem Fanatismus verknüpft wird. Da hilft es auch leider nicht, dass sich die arabischen Bürger, Politiker, Zeitungen und TV-Sender wütend und empört über den Mord äußern.

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