al-Samidoun

Kommentare und Berichte zu Politik, Religion und Kultur mit Fokus auf den Nahen Osten.

Dienstag, 22. März 2011

"More destruction and occupation might be needed..."

Die (hervorragende) libanesische Zeitung Al-Akhbar veröffentlicht momentan weitere Wikileaks-Dokumente speziell zum Julikrieg 2006, als der Libanon, mehr oder weniger in Reaktion auf die Entführung mehrer IDF-Soldaten durch die Hizbullah, von den israelischen Streitkräften angegriffen wurde.

In einem Treffen des berüchtigten US-Diplomaten Jeffrey Feltman (grandios uninformiert, mit Fans von Tunesien bis in den Libanon) mit führenden christlichen Politikern im Libanon erklärten die Anhänger der Allianz 14. März, dass sie eine Ausdehnung der israelischen Bombenangriffe unterstützen würden, sollte dies zu einer Schwächung der Hizbullah führen.
To this end, they would support a continuation of the Israeli bombing campaign for a week or two if this were to diminish seriously Hizballah's strength on the ground.
Um den innenpolitischen Gegner loszuwerden, scheuten die Politiker also nicht davor zurück, zu einer Verlängerung des Bombardements um ein bis zwei läppische Wochen zu raten.

Aber es wird noch besser. Bei einem gemeinsamen Abendessen, zu welchem der libanesische Telekommunikationsminister Marwan Hamada geladen hatte und bei welchem der US-amerikanische Botschafter Feltman und der Drusenführer Walid Junblat anwesend waren, erteilte Hamada dem Botschafter interessante Tipps, wie die Israelis sich im Libanon verhalten müssten, um ihre Feinde zu schwächen:
Yet to coax Berri, and ultimately Nasrallah, more destruction and occupation of the Shia south might be needed, until a Shia leader was ready to say "enough fighting."
Um Nabih Birri (Amal-Führer und Sprecher des libanesischen Parlaments) und Hassan Nasrallah (Generalsekretär der Hizbullah) einen Dämpfer zu verpassen, so der Minister Hamade, müsse man vielleicht mehr Zerstörung und Besatzung in den schiitischen Süden bringen. Anders ausgedrückt:
The pressure on the Shia should continue.
Dieser "Druck" kostete immerhin über 1000 libanesische Zivilisten das Leben.

Walid Junblat hat sich mittlerweile von der Koalition 14. März ab- und dem Bündnis 8. März zugewendet. Vermutlich wird die Hizbullah ihm deshalb seinen "kleinen Ausrutscher" großzügig verzeihen.

Während alle Welt noch immer herumrätselt, wer nun Rafiq Hariri getötet hat, sollte man vielleicht dringend untersuchen, zu welchem Maße libanesische Politiker am Tode hunderter Libanesen Schuld tragen, die im Bombenhagel des Julikriegs 2006 ihr Leben verloren haben.

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