al-Samidoun

Kommentare und Berichte zu Politik, Religion und Kultur mit Fokus auf den Nahen Osten.

Samstag, 19. März 2011

"Die Revolte in Bahrain ist ganz anders...."

Demonstranten im Irak stellen interessante Fragen:
In Kirkuk demonstrators chanted slogans against Saudi Arabia, asking why, if it can send troops to Bahrain, it hasn’t sent an army to “free Palestine,” while a preacher in a mosque in Sadr City, the vast Shiite neighborhood in Baghdad, said volunteers were ready to go to Bahrain to help their fellow Shiites.
Ich hoffe, dass die Proteste in Bahrain nicht zu einem weiteren Katalysator für den gefährlichen Sunna-Schia-Konflikt im Nahen Osten werden. Diese Angst teilen auch viele Aktivisten in Bahrain. Dort sind eben auch Sunniten auf der Straße um gegen das Königshaus zu demonstrieren.
Es liegt jedoch im Interesse Bahrains, Saudi-Arabiens und auch des Irans, die Ereignisse so darzustellen, als würde es sich um einen konfessionellen Konflikt handeln.

In der pro-saudischen Zeitung Al-Sharq al-Awsat sagte nun der islamistische Prediger Qaradawi, was in Bahrain geschehe sei keine Revolution des Volkes, sondern eine Revolution der Ta'ifiyyah/des Sectarianism (gibt es dafür eigentlich eine geeignete deutsche Entsprechung?). Dadurch würde sich die Revolte in Bahrain von denen in Tunesien, Ägypten, Libyen und dem Jemen unterscheiden. Und damit hat sich dann auch jegliche Unterstützung der Proteste für Qaradawi erledigt. Alles nur ein iranischer Plot um die Region zu destabilisieren.
Der ebenfalls pro-saudische Sender Al-Arabiyya berichtete kürzlich über die Festnahme mehrerer Aktivisten in Bahrain. Dabei nannte der Sender die Namen der Festgenommenen und direkt noch ihre Konfession um zu zeigen, dass (obwohl auch ein Sunnit dabei war) es sich eben hauptsächlich um Schiiten handele.

Auf der anderen Seite nutzen schiitische Führungspersonen wie Muqtada as-Sadr die Ereignisse um nun ihrerseits die Schiiten zu mobilisieren.

Der sonst so tüchtige Sender Al-Jazeera scheint hingegen merkwürdig wenig Interesse an den Protesten in Bahrain zu haben. Während man den Ereignissen in Libyen, Jemen und Syrien großen Platz einräumt, berichtet Al-Jazeera eher zaghaft über Bahrain.

Eine auf Al-Jazeera Live gesendete Rede von Hassan Nasrallah zu den Protesten in den arabischen Ländern wurde just in dem Moment unterbrochen, als er begann über Bahrain zu reden.
In den USA waren zum Zeitpunkt der Rede merkwürdigerweise sämtliche libanesische Sender blockiert. Zumindest bei der Dish Network Corporation.

Kommentare:

  1. Eine mögliche Erklärung, warum Al Jazeera sich in Bahrain zurückhaltender zeigt als sonst: Katar hat Truppen nach Bahrain geschickt - Details dazu hier:
    http://fastvoice.net/2011/03/19/al-jazeera-in-der-bahrain-zwickmuhle/

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  2. Exakt, das wird es sein. Qatar ist selbst Mitglied im GCC und als dieser Rat beschloss, dass man dem König in Bahrain helfen muss, da änderte sich schließlich die Berichterstattung.

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