al-Samidoun

Kommentare und Berichte zu Politik, Religion und Kultur mit Fokus auf den Nahen Osten.

Samstag, 19. März 2011

Libyen: Wollen die Araber eine militärische Intervention?

Hierzulande waren sich verschiedene linke Gruppierungen schnell einig, wie man zu einem militärischen Eingreifen in Libyen zu stehen habe. Die Fraktion um die AG Friedensforschung wendete sich strikt gegen jegliche kriegerische Intervention, während die Antideutschen, die bisher jeden möglichen militärischen Feldzug leidenschaftlich herbeisehnten, auch ungeduldig auf einen Militärschlag in Libyen drängten.

Ich denke, dass beide Seiten äußerst vorschnell ihre (gewohnten) Standpunkte eingenommen haben. Im Endeffekt sind sie alle nicht direkt betroffen und da fällt es leicht Bomben auf ein anderes Land zu fordern oder eine militärische Unterstützung für die zu Recht(!) rebellierenden Libyer abzulehnen.

Und auch wenn die Arabische Liga (deren Autorität nun ganz plötzlich auch von Personen anerkannt wird, von denen man dies nicht gedacht hätte) für eine Flugverbotszone plädiert, warnt Mark Lynch nun davor, die arabische Befürwortung einer militärischen Einmischung zu übertreiben.
There is no question that most Arabs desperately want something to be done to save Libya from Qaddafi, and that this is seen as having broad and deep regional implications.

When it comes to military intervention, however, this deep identification with the Libyan protestors intersects uncomfortably with the enduring legacy of Iraq. The prospect of an American military intervention, no matter how just the cause, triggers deep suspicion. There is a vanishingly small number of Arab takers for the bizarre American conceit that the invasion of Iraq has somehow been vindicated.
Viele Araber wollen, dass dringend etwas unternommen wird um Libyen vor Gaddafi zu retten. Allerdings herrscht unter Arabern, gerade vor dem Hintergrund des Irakkrieg-Desasters ein tiefes Misstrauen gegenüber einem militärischen Eingreifen durch die USA oder durch europäische Staaten.

Ich tendiere zwar mittlerweile grundsätzlich auch in Richtung, die Rebellen militärisch zu unterstützen, dennoch habe auch ich Bedenken gegenüber den Fähigkeiten der NATO-Staaten, das Gaddafi-Regime ohne große "Fehlschläge" zu beseitigen. In Afghanistan haben die NATO und ihre afghanischen Verbündeten im letzten Jahr 440 Zivilisten getötet, wobei man stolz verkündete, dass dies immerhin 26% weniger getötete Zivilisten als im Jahre 2009 seien. Das Jahr 2010 war für die ausländischen Truppen, wie auch für Zivilisten das blutigste Jahr seit Kriegsbeginn.

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