al-Samidoun

Kommentare und Berichte zu Politik, Religion und Kultur mit Fokus auf den Nahen Osten.

Montag, 11. Juli 2011

"Palestine is something very big..."

Ich bin ein großer Freund der "Durch die Nacht mit..."-Reihe auf Arte. In der letzten Folge trafen sich der ägyptische Regisseur Marwan Hamed und sein iranischer Kollege Rafi Pitts um durch das nächtliche Kairo zu ziehen.

Hauptthemen waren natürlich die Revolten im Iran und in Ägypten. Immer noch überwältigt von den Ereignissen tauschten die beiden Filmemacher ihre Erfahrungen aus, die sie im Hinblick auf die Proteste im Iran und Ägypten gesammelt hatten. Ein wirklich interessanter Punkt - und hier divergieren westlicher und arabischer Narrativ teilweise erheblich - ist der, dass die Personen in der Sendung immer wieder die Rolle Palästinas hervorhoben, wenn es um den Grund für politische Aktivitäten in Ägypten ging.

In einem Hinterhof in Kairo Downtown trafen sich Hamed und Pitts mit politischen Aktivisten und Leuten aus der Filmbranche. Eine der Anwesenden, eine linke Aktivistin erklärte, dass ihr politisches Interesse im Jahre 2002 erwacht sei. Damals, zur Zeit der zweiten Intifada, gab es erstmals seit langer Zeit in Ägypten pro-palästinensische Demonstrationen. Im Rahmen dieser Aktionen liege der Ursprung ihrer politischen Aktivitäten.

In einer anderen Szene unterhalten sich die beiden Filmemacher mit einem Vertreter der hiesigen Ultras-Bewegung. Diese spielten eine nicht unerhebliche Rolle während der Revolution, als sie vor allem versuchten die Demonstranten vor Angriffen der Mubarak treuen Schlägertruppen zu schützen, die Jagd auf Demonstranten machten. Der Aktivist erklärte, dass die Ultras zum ersten Mal ernsthaft ins Visier des Polizeiapparates gerieten, als auch sie 2002 spontan eine Demo zur Unterstützung der Palästinenser organisierten.

Pitts zeigte sich etwas erstaunt darüber, dass Palästina eine so große Bedeutung für die Ägypter habe. "Palestine is something very big..." erklärt Hamed dem iranischen Besucher. Was dort an Ungerechtigkeit geschehe mache die jungen Leute "sehr, sehr wütend".

Keine der Personen, weder Hamed, noch der Vertreter der Ultras, noch die linke Aktivistin haben irgendeine Verbindung zum Islamismus. Ganz im Gegenteil äußern sie ihre Sorgen vor einer möglichen Machtübernahme durch die Islamisten.
Während hierzulande die "Palästinasolidarität" der Araber mit Islamismus und religiösem Radikalismus verknüpft wird, spielt dieses Element keine besondere Rolle für das Eintreten der Ägypter für die Palästinenser. Das Mitglied der Ultras aber auch Hamed verweisen lieber auf die "arabische Solidarität", welche die Verbindung zu den Palästinensern erkläre.
Natürlich gerät Hamed auf die Nachfrage seines iranischen Kollegen, was denn "arabische Solidarität" eigentlich sei ins Stocken. Gemeinsame Geschichte, Kultur, Sprache.... sicherlich jedoch nicht allein die Religion, denn Araber seien schließlich nicht nur Muslime.

Kurz vor Anbruch der Ausgangssperre, die Sendung ist fast zu Ende, fahren sie an einer der vielen Demonstrationen vorbei. Pitts fragt Hamed daraufhin für was diese Leute hier demonstrieren würden. Hamed beugt sich zum Fenster, versucht die Plakate der Demonstranten zu erkennen und entgegnet: "Palestine"....

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