al-Samidoun

Kommentare und Berichte zu Politik, Religion und Kultur mit Fokus auf den Nahen Osten.

Sonntag, 1. Juli 2012

Misswahlen: "Meilenstein der Modernisierung"

Thomas von der Osten-Sacken sitzt in Tunis, beobachtet Tunesierinnen im öffentlichen Nahverkehr und bewundert coole Soldatinnen. Und als ob Taxifahrerinnen und coole Soldatinnen nicht schon die Speerspitze der Frauenbefreiung wären, flattert auch noch eine Nachricht aus Kurdistan herein, die da lautet: "First Miss Kurdistan Crowned in Erbil".

"Gratulation an Miss Kurdistan!" entfährt es da auch Herrn von der Osten-Sacken, völlig aus dem Häuschen vor lauter Frauenemanzipation. Ganz in diesem Sinne heißt es dann in dem verlinkten Artikel:
Kurdistan’s march towards modernization passed another milestone in the early hours of Friday morning when it crowned 18-year-old Shene Zaiz Ako the region’s first ever Miss Kurdistan.
"Fleischbeschau" in Kurdistan, ein Meilenstein der Modernisierung! Naja, vielleicht doch nicht so ganz. Überraschend musste eine Teilnehmerin nämlich feststellen, dass es beim besagten Wettbewerb dann doch weniger um die Persönlichkeiten der Frauen ging:  

Another contestant, was Delene Hafza Missouri, an English teacher from Erbil. She said she entered the contest to show that women can be both beautiful and educated but was disappointed that the judges didn’t seem interested in the women’s personalities
Nichts was einen Osten-Sacken aus der Ruhe bringen könnte, im Gegenteil, für Neocons wie ihn ist das die Vision eines modernen Nahen Ostens.
Modernisiert ist der nämlich dann, wenn auch der Irak seine "Sexy Cora" hat.
Deshalb ist der Mann auch wie berauscht, wenn er in Kurdistan Werbetafeln mit verhältnismäßig knapp bekleideten Frauen entdeckt, mit denen für Schöhnheitssalons geworben wird.

Soll das tatsächlich die Antwort auf Islamismus und patriarchale Strukturen sein?

Kommentare:

  1. Nein, das ist tatsächlich nicht die Antwort auf Islamismus und patriarchale Strukturen. Das sind Phantasien, die verdecken sollen, dass die Hoffnungen in die "Arabellion" vom letzten Jahr völlig verfehlt waren.

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  2. Interessant. Die mitteleuropäischen Frauen haben ungefähr diese Entwicklung hinter sich: Als nackte Körperstellen noch nicht gezeigt werden durften, bestimmte eine strenge Mode, was schön war. D.h. diesen krassen Kult um den weiblichen Körper bzw. um dessen Normierung gab es damals noch nicht. Der Zwang von außen durch die Kleidung, die Anstandsdamen, die Etikette wich dann gerade durch das Aufkommen von Frauensport; Frauen durften immer weniger tragen, aber dafür mussten ihre Körper immer perfekter werden; dieses Körpermanagement ist ein Beispiel dafür, wie äußere Zwänge internalisiert werden können. Eine wirkliche Befreiung von Zwang gab es also nicht; Freiheit ging immer einher mit einem neuen Zwang. Bis heute gilt ja auch bei uns: Nicht jede Frau soll ihren Körper zeigen am Strand und wehe, sie ist nicht rasiert an den Beinen oder dergleichen. Diese für uns schon naiv klingende Feststellung, dass die Juroren nicht auf die Persönlichkeit geschaut haben, sondern nur auf das Äußere, ist die Erkenntnis dieser vermeintlichen Freiheit.

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  3. Dreckiger musel. Geh sterben.

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