al-Samidoun

Kommentare und Berichte zu Politik, Religion und Kultur mit Fokus auf den Nahen Osten.

Donnerstag, 2. September 2010

Fast Food in Ägypten

Der Titel ist irreführend. Schnelles Essen wird man in Ägypten wahrscheinlich nirgends finden. Weder bei McDonalds noch beim Fouldealer* um die Ecke. Hat man sich aber für einen Junk-Food Laden entschieden, sollte man sich nach der Bestellung direkt ein gemütliches Plätzchen mit Aussicht auf die Theke suchen und sich dann in ein extra mitgebrachtes Buch vertiefen. Ganz wichtig ist, dass man in jedem Falle in Sichtweite der Bedienung an der Kasse ist. Andernfalls wird man leicht mal vergessen. Es ist auch normal, wenn sich mehr Mitarbeiter im Bereich der Küche tummeln, als Gäste im ganzen Laden zur Primetime. Man muss also eine Portion Geduld mitbringen, wenn man eben den kleinen Hunger mit einer Kalorienbombe vertreiben will.

In Kairo bietet sich eine Vielzahl verschiedener Junk-Food Lokalitäten. Neben den altbekannten McDonalds und Burgerking Filialen gibt es auch einheimische Unternehmen. Und gerade die sind interessant.

Hervorzuheben sei da die Kette Cook Door. Die Pommes dort schmecken wirklich saumäßig lecker. Keine Ahnung wie die das hinbekommen aber die Friskes genannten Kartoffelkreationen scheinen irgendwie doppelt fritiert worden zu sein. Oder sie wurden frittiert, dann paniert und dann wieder frittiert. Jedenfalls sind die sowas von knusprig, dass es ziemlich krümelt wenn man sie bricht. Hier ein Bild. Ich kann da jedenfalls nur fasziniert ein"Wow" hauchen.
Trotz des auf 50er Jahre Amerika getrimmten Interieurs bietet das Menu auch Shish Tawook oder Kofta Sandwiches. Essbar ist auch der Grilled Viagra Burger.

Ganz großer Nachteil der Kette ist die Musikauswahl. Kein Tag vergeht an dem nicht irgendwelche Saxophoninterpretationen bekannter Musiktitel aus Westernfilmen zu hören sind. Wenn man damit mal verschont wird, dann gibt es garantiert eine ordentliche Ladung Carless Whisper (gerne auch im Repeatmodus) oder das Thema vom Paten (wieder von einem Saxophon gespielt). Vermutlich will man möglichst amerikanisch sein, oder das, was man für amerikanisch hält.

Geteilter Meinung kann man auch über die Kette Moumen sein. Zuerst hat mich die erstaunliche Größe der Menus beeindruckt aber beim dritten Besuch des Lokals hab ich einen wirklich extrem ekligen Burger erwischt. Das "Fleisch" war gallertartig, kalt und schmierig.
Auf den Werbeplakaten von Moumen ist ein bärtiger, streng dreinschauender Mann abgebildet, der eine Fantasieuniform trägt. Erst dachte ich, dass das libysche Staatsoberhaupt jetzt wohl auch noch ins Fast-Food Geschäft eingestiegen ist aber der Typ auf den Plakaten ist angeblich ein bekannter Sportler dessen Name mir jetzt aber entfallen ist und der Ghaddafi nur irgendwie ähnlich sieht.

Es gibt auch noch eine Kette namens Smileys oder Smileys Grill. Da sind die Pommes aber wiederum ganz schlabberig.

Ganz großer Pluspunkt für all diese Läden ist der Lieferservice. Selbst McDonalds und Co liefern in alle erdenklichen Ecken ihr Essen aus.


* (Foul ist ein Bohnengericht. Häufig wird es bei halblegalen Ständen am Straßenrand aus breiten, silbernen Kesseln verteilt)

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