al-Samidoun

Kommentare und Berichte zu Politik, Religion und Kultur mit Fokus auf den Nahen Osten.

Donnerstag, 9. September 2010

Zuhören! Nawal as-Saadawi spricht.

"Wir haben herausgefunden, dass die amerikanische Politik und die Politik von Präsident Sadat die religiösen Gruppen darin unterstützt haben, gegen Feminismus, Kommunismus, Sozialismus und sogar gegen Liberale zu kämpfen. Es gibt also eine Verbindung."

Bierling - Geschichte des Irakkriegs

Gestern im Buchhandel hab ich mir spontan Stephan Bierlings "Geschichte des Irakkriegs" mirgenommen.
Bisher liest es sich ganz gut aber ein paar Kleinigkeiten habe ich schon zu beanstanden.

Zum einen stimmt das Inhaltsverzeichnis nicht mit den Seitenzahlen überein. Zum anderen gibt es kleinere inhaltliche Fehler.

Er schreib beispielsweise, die Geiseln aus der Iran-Contra Affäre wären Geiseln der Hizbullah gewesen. Das stimmt nicht, bzw. dafür gibt es keinerlei Beweise. Sicher ist nur, dass die Geiseln von einer Iran-freundlichen Gruppe entführt wurden. Es ist ziemlich unwahrscheinlich dass Hizbullah dahinter steckte. Vermutlich waren es mehr oder weniger mit schiitischen Gruppen vernetzte Einzelpersonen, die unter der Anleitung der iranischen Führung handelten.
Seine Schreibweise von al-Qa'ida ist mit al-Khaida auch recht abenteuerlich, weil es nach den Regeln der Umschrift von arabischen in lateinische Buchstaben komplett andere Laute sind.

Genug Erbsen gezählt, für ein Urteil ist es noch zu früh.

Schön ist aber, dass er die gängigen Klischees stutzt, der Irakkrieg wäre ein Krieg für Öl gewesen oder von der Israel-Lobby in Gang gesetzt worden.

Dienstag, 7. September 2010

Bedrohung durch al-Qaida übertrieben

The threat posed by al-Qaida and the Taliban is exaggerated and the western-led counter-insurgency campaign in Afghanistan risks becoming a "long, drawn-out disaster", one of the world's leading security thinktanks warned today.

Und dazu braucht es einen der besten Sicherheits-Think-Tanks der Welt??

Jo mei, das hätte ich ihnen auch sagen können.

Koranverbrennung

Es ist schon interessant. Da plant eine christlich-fundamentalistische Gruppe eine öffentliche Koranverbrennung doch die Sorge gilt in erster Linie den amerikanischen Soldaten, die dadurch womöglich in Gefahr gebracht werden könnten.

„Dies könnte unsere Soldaten in Gefahr bringen und es könnte auch die allgemeinen Bemühungen in Afghanistan bedrohen"


Man sollte eigentlich meinen, die Menschen würden sich um die Leute sorgen, welche direkt mit dieser Bücherverbrennung angesprochen werden sollen. Die Muslime.
Ganz nach Heine, der in seinem Werk Almansor in Bezug auf eine andere Koranverbrennung christlicher Inquisitoren schreibt:

„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.”

Donnerstag, 2. September 2010

Fast Food in Ägypten

Der Titel ist irreführend. Schnelles Essen wird man in Ägypten wahrscheinlich nirgends finden. Weder bei McDonalds noch beim Fouldealer* um die Ecke. Hat man sich aber für einen Junk-Food Laden entschieden, sollte man sich nach der Bestellung direkt ein gemütliches Plätzchen mit Aussicht auf die Theke suchen und sich dann in ein extra mitgebrachtes Buch vertiefen. Ganz wichtig ist, dass man in jedem Falle in Sichtweite der Bedienung an der Kasse ist. Andernfalls wird man leicht mal vergessen. Es ist auch normal, wenn sich mehr Mitarbeiter im Bereich der Küche tummeln, als Gäste im ganzen Laden zur Primetime. Man muss also eine Portion Geduld mitbringen, wenn man eben den kleinen Hunger mit einer Kalorienbombe vertreiben will.

In Kairo bietet sich eine Vielzahl verschiedener Junk-Food Lokalitäten. Neben den altbekannten McDonalds und Burgerking Filialen gibt es auch einheimische Unternehmen. Und gerade die sind interessant.

Hervorzuheben sei da die Kette Cook Door. Die Pommes dort schmecken wirklich saumäßig lecker. Keine Ahnung wie die das hinbekommen aber die Friskes genannten Kartoffelkreationen scheinen irgendwie doppelt fritiert worden zu sein. Oder sie wurden frittiert, dann paniert und dann wieder frittiert. Jedenfalls sind die sowas von knusprig, dass es ziemlich krümelt wenn man sie bricht. Hier ein Bild. Ich kann da jedenfalls nur fasziniert ein"Wow" hauchen.
Trotz des auf 50er Jahre Amerika getrimmten Interieurs bietet das Menu auch Shish Tawook oder Kofta Sandwiches. Essbar ist auch der Grilled Viagra Burger.

Ganz großer Nachteil der Kette ist die Musikauswahl. Kein Tag vergeht an dem nicht irgendwelche Saxophoninterpretationen bekannter Musiktitel aus Westernfilmen zu hören sind. Wenn man damit mal verschont wird, dann gibt es garantiert eine ordentliche Ladung Carless Whisper (gerne auch im Repeatmodus) oder das Thema vom Paten (wieder von einem Saxophon gespielt). Vermutlich will man möglichst amerikanisch sein, oder das, was man für amerikanisch hält.

Geteilter Meinung kann man auch über die Kette Moumen sein. Zuerst hat mich die erstaunliche Größe der Menus beeindruckt aber beim dritten Besuch des Lokals hab ich einen wirklich extrem ekligen Burger erwischt. Das "Fleisch" war gallertartig, kalt und schmierig.
Auf den Werbeplakaten von Moumen ist ein bärtiger, streng dreinschauender Mann abgebildet, der eine Fantasieuniform trägt. Erst dachte ich, dass das libysche Staatsoberhaupt jetzt wohl auch noch ins Fast-Food Geschäft eingestiegen ist aber der Typ auf den Plakaten ist angeblich ein bekannter Sportler dessen Name mir jetzt aber entfallen ist und der Ghaddafi nur irgendwie ähnlich sieht.

Es gibt auch noch eine Kette namens Smileys oder Smileys Grill. Da sind die Pommes aber wiederum ganz schlabberig.

Ganz großer Pluspunkt für all diese Läden ist der Lieferservice. Selbst McDonalds und Co liefern in alle erdenklichen Ecken ihr Essen aus.


* (Foul ist ein Bohnengericht. Häufig wird es bei halblegalen Ständen am Straßenrand aus breiten, silbernen Kesseln verteilt)

Thilo "also" Sarrazin

Ich habe mir heute Morgen per WebTV die gestrige Folge von Hart aber Fair angeschaut.
Sarrazins Thesen wurden, wie zu erwarten war, komplett auseinander genommen und der gute Mann wirkte in der Runde wirklich ein wenig wie ein verschrecktes Rehkitz. Wären nicht seine absolut unhaltbaren Aussagen, der Mensch könnte mir beinahe leidtun. Er hat nun wirklich keinerlei rhetorisches Talent und scheint manchmal etwas langsam zu sein.
Man müsste mal zählen wie häufig er das Wort "also" benutzt. Unfassbar wie variantenreich und ausgiebig er das Wörtchen zwei-, drei-, viermal in jeden Satz einflechtet.
Auch wenn Sarrazin vollkommen zu Recht so hart angegangen wurde, mehr als einmal hatte ich das Bedürfnis ihm irgendwie zu helfen. Erschreckend.

Was ich ebenfalls erschreckend finde: In letzter Zeit wird mir Michel Friedman immer sympathischer. Gut, viele seiner Standpunkte teile ich gar nicht. Gerade was den Nahost-Konflikt angeht aber in diversen anderen Punkten muss ich ihm immer wieder Recht geben. Ich verweise da zum Beispiel auf die Diskussion ums Rauchverbot bei seiner Sendung Studio Friedman.

Mittwoch, 1. September 2010

Synagoge am Ground Zero von Beirut

Vorne weg: Ich halte wenig von einer Moschee am Ground Zero.
Die Gründe sind aber gänzlich andere als die der vehementen Gegner des Projekts in den USA. Es ist das gute Recht der Muslime dort eine Moschee zu bauen. Ob es eine kluge Entscheidung ist sei dahin gestellt. Aber wie gegen die Moschee Stimmung gemacht wird, ist natürlich unterste muslimfeindliche Schublade.

Und bevor wieder jemand große Töne spuckt von wegen "Im Nahen Osten ist alles viel schlimmer...":
In Beirut, der Hauptstadt des Libanon, die bis heute tief gezeichnet ist von israelischen Bombenangriffen und den verschiedenen Invasionen über die Jahre hinweg, wird gerade im Zentrum der Stadt eine Synagoge renoviert. Die Synagoge war während des verheerenden israelischen Feldzugs von 1982 von israelischen Kampfbombern zerstört worden.

Von den ganzen anderen israelischen Kriegseinsätzen ganz zu schweigen, sind bei der letzten großen israelischen Invasion ganze 1.200 Menschen ums Leben gekommen. Proportional auf die Bevölkerung umgerechnet ein Vielfaches der Toten vom 11. September.

Und dennoch stehen die Parteien des Libanons hinter der Renovierung der Synagoge in Beirut.
Sogar die Ausgeburt des Teufels selbst, die Hizbullah hat keine Probleme damit.
Hussain Rahal, ein Sprecher der Partei sagte dazu:
We respect the Jewish religion just like we do Christianity. The Jews have always lived among us. We have an issue with Israel's occupation of land.

Und in Deutschland?
Da braucht es nicht einmal einen Ground Zero um Sturm gegen eine geplante Moschee zu laufen.

Mit Kopftuch keine Integration

Die FAZ titelt:
Gelebte Integration
Sie würde niemals ein Kopftuch tragen

Wer hat eigentlich den Mythos in die Welt gesetzt, dass man wegen eines Stücks Stoff nicht fähig sei sich zu intergrieren?

Begrifflichkeiten

Immer wieder fällt mir auf was für bescheuerte Begriffe in den Medien zirkulieren.

Vor ein paar Tagen las ich in einer schwäbischen Regionalzeitung einen kleinen Artikel über Thilo Sarrazin. Der Autor sprach von Sarrazins kontroverser "Ausländerkritik".
Ausländerkritik? Meine Herren, der Typ spricht davon, dass Menschen aus dem Nahen Osten genetisch minderwertig sind. Bei aller Freundschaft, das ist doch keine Kritik sondern beißender Rassismus. Nach ähnlicher Logik könnte man beinahe Horst Mahlers Hasstiraden ebenfalls als "kontroverse Judenkritik" bezeichnen.

"Die kulturelle Fremdheit muslimischer Migranten könnte relativiert werden, wenn diese Migranten ein besonderes qualifikatorisches oder intellektuelles Potential verhießen. Das ist aber nicht erkennbar. Anzeichen gibt es eher für das Gegenteil, und es ist keineswegs ausgemacht, dass dies ausschließlich an der durchweg bildungsfernen Herkunft liegt. So spielen bei Migranten aus dem Nahen Osten auch genetische Belastungen – bedingt durch die dort übliche Heirat zwischen Verwandten – eine erhebliche Rolle und sorgen für einen überdurchschnittlich hohen Anteil an verschiedenen Erbkrankheiten."


Außerdem habe ich ein Problem mit diversen X-ophobien. Islamophobie, Homophobie und wie sie alle heißen... Eine Phobie deutet an, dass der X-ophobe ein Opfer seiner Angst ist. Nun tue ich mir aber äußerst schwer damit Leute wie Sarrazin, Herre, oder einen Alex Wien als Opfer zu sehen. Die Begriffe Islamophobie und Homophobie sind verharmlosend und gehen am Ziel vorbei.

Einen Luther für den Islam

Immer wieder höre ich die etwas dümmliche Aussage, der Islam brauche endlich einen Luther und schon würde er aus dem Mittelalter in die Moderne katapultiert werden. Nicht nur, dass Millionen Muslime ganz ohne einen Ali Luther problemlos im Jetzt leben, nein, wieso sollte der Islam überhaupt noch einen Frauen verachtenden Judenhasser brauchen?