al-Samidoun

Kommentare und Berichte zu Politik, Religion und Kultur mit Fokus auf den Nahen Osten.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Die Rettung eines Menschen...

Israel lässt Extremisten frei, es demütigt den Palästinenserpräsidenten – alles nur für die Rettung eines einzelnen Menschen. Doch das war es wert.
Ob der Autor auch der Meinung ist, dass bei diesem Autstausch von 1028 Gefangenen nur ein Mensch gerettet wird? Es ist anzunehmen.

Ein israelischer Soldat der im Kampf gegen Palästinenser gefangengenommen wird, wird zum Helden stilisiert. Ihm gegenüber stehen über tausend namenlose palästinensische Gefangene, deren Geschichten keinen interessiert. Ein namenloses, aber in jedem Falle uninteressantes Kollektiv. "Verbrecher", "Gesinnungsgeschwister" und "Extremisten", andere Worte findet die Journaille nicht für 1027 Individuen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen in israelischen Knästen stecken und deren Namen auch diese Journalisten nie gehört haben. Jeder sollte sich an dieser Stelle einmal fragen wie viele Namen palästinensischer Gefangener er selber kennt, und warum einem nur der des israelischen Gefangenen im Gedächtnis haftet.

Und dann wird auch noch der Talmud zitiert um die israelischen Beweggründe zu veranschaulichen:
Wer aber auch Werte in Betracht zieht, die sich einer unmittelbaren Kosten-Nutzen-Analyse entziehen, kann kaum anders, als den Verantwortlichen Respekt zu zollen. Im Jerusalem Talmud (Sanhedrin 23a-b) steht: "Wer eine einzige Seele rettet, rettet die ganze Welt." Das heißt: Die konkrete Nah-Ethik steht über der abstrakten Fern-Ethik, das Reale über dem Potenziellen, der Mensch über der Menschheit. Es ist eine Ethik, die von humaner Größe zeugt.
Bei diesem ekelhaft schnulzigen Geschwurbel schreit keiner Philosemitismus, auch wenn es Antisemitismus ist, wenn Israel eine alttestamentarische "Auge um Auge"-Politik den Palästinensern gegenüber vorgeworfen und dies mittels religiöser Schriften belegt wird.

Nicht vergessen sollte man zudem, und das wird im Artikel selbstverständlich nur angedeutet, dass eine Stärkung der Hamas, wie sie durch diesen Deal entsteht, automatisch zu einer Schwächung von Abbas und der Autonomiebehörde führt. Dies liegt ganz im Interesse Netanjahus und der israelischen Regierung, die mit Argwohn den Sympathiebonus betrachtet, der Abbas für seine Bemühungen um einen eigenen palästinensischen Staat in den letzten Wochen zuteil wurde.

Es geht doch nicht um Talmud und Koran! Hier geht es um Politik. Etwas, was diese ganzen Anti- und Philosemiten, Muslimhasser oder Islamversteher bis heute nicht kapiert haben.

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