al-Samidoun

Kommentare und Berichte zu Politik, Religion und Kultur mit Fokus auf den Nahen Osten.

Freitag, 7. Januar 2011

Der angebliche Mossadgeier

Zuerst Mossadhaie und nun auch noch Mossadgeier?
Viel wurde jedenfalls gelacht über die Geschichte des angeblichen Mossadgeiers. Sogar satirische Bilder wurden erstellt, die zur Freilassung des Agenten aufrufen und natürlich stürtzten sich auch die rechtsextremen Muslimhasser (z.B. PI) nur zu gerne auf die Story.

Die rechte, israelische Nachrichtenseite Maariv hatte unter Berufung auf die saudische Zeitung al-Weeam berichtet, in Saudi-Arabien sei ein Geier wegen Spionageverdachts von den Sicherheitskräften festgenommen worden.

Die Nachricht verbreitete sich schnell, passt sie doch so schön ins Muster des hysterischen und irrationalen Arabers, der in seiner Paranoia sogar Tiere verhaften lässt.

Ich habe mal die ursprüngliche(?) Meldung von al-Weeam herausgesucht und wenn es tatsächlich der Artikel ist, auf den sich die israelische Nachrichtenseite bezieht, dann beweist das mal wieder, was für eine Propagandaarbeit auch die israelischen Zeitungen leisten. Das Original ist in Hebräisch und das ist bei mir ziemlich eingerostet (und war auch nie auf dem Niveau Zeitungsartikel lesen zu können) aber US-Medien geben die Geschichte so wieder.
The report said the bird had a "foul odor coming out of its mouth -- proof of a Zionist plot."
Nun, das steht da aber nicht. Von einem "zionistischen Plan" steht da gar nichts. Auch nicht von einem "israelischen" oder gar "jüdischen", ja nicht einmal von Spionage ist die Rede. Es wird zwar von einem scheußlichen Geruch berichtet, dieser habe aber nur eine Annäherung um den Vogel zu fangen schwierig gemacht.

Weiter wurde berichtet, dass der Geier von der Polizei festgenommen wurde während im Original steht:
"وقد قام الأهالي بتسليم الطائر للجهات المختصة"
... nämlich, dass die Einheimischen den Vogel an "Spezialisten" oder auch "die zuständige Stellen" übergeben haben. Also eigentlich gar nicht so irrational und bescheuert.

Spionageanschuldigung gibt es zwar, die finden sich allerdings nur in der Kommentarspalte. Aber mal ehrlich: In den Kommentarbereichen der Zeitungen dieser Welt sammeln sich doch überall die Spinner und Verrückten. Sollte das in Saudi-Arabien anders sein?

Alles in allem sollte man vorsichtig mit dieser Story sein. So ganz scheint es jedenfalls nicht zu stimmen, was die israelischen Medien verbreitet haben.

Donnerstag, 6. Januar 2011

Dubiose Rangliste zur Christenverfolgung

Eigentlich will ich mich nicht mehr groß an der derzeitigen Diskussion um die Situation der Christen in der islamischen Welt beteiligen. Im Grunde kann ich mich den Ausführungen von Jörg Lau (den ich sonst kritisch betrachte!) anschließen.
Allerdings wird das Thema, wie Mondoprinte treffend feststellt auch zu propagandistischen Zwecken ausgenutzt.

Bei dem ganzen Trubel um die Situation der Christen im Irak und in Ägypten habe ich mich nämlich bald gefragt, wann denn nun endlich die "wahren Feinde" ins Fadenkreuz rücken. Überraschend viel Kritik gab es doch zum Beispiel an unseren ägyptischen Verbündeten.

Jemand wie Volker Beck, einer dieser grünen Gutmenschen, hatte doch tatsächlich scharf die ägyptische Diktatur kritisiert. Und sogar die westliche Rückendeckung des Pharaos wusste er anzuprangern.
"Der Westen aber schaut aus außenpolitischer Rücksichtnahme auf das Regime (Husni) Mubarak systematisch weg."
Eigentlich höchste Zeit den Verbündeten aus der Schusslinie zu nehmen! Der wahre Feind sieht nämlich anders aus. Der sitzt im Iran, in Nordkorea, Syrien und Teilen des Libanons.

Wie auf Bestellung jedenfalls erschien dann bei der Welt die Nachricht von der Festnahme mehrerer christlicher Prediger im Iran. Diese Schwerverbrecher hatten dort angeblich unverschämterweise Missionsarbeit betrieben.

Um die Sache abzurunden veröffentlichte nun die christliche Organisation OpenDoors den järhlichen Bericht zur Verfolgung der Christen in der Welt.
Auf Platz eins der Länder, in denen Christen Repressionen ausgesetzt sind ist Nordkorea und auf Platz zwei, und hier darf man wirklich nur einmal raten, ist der Iran.

Wahrlich, das schäbige iranische Regime sollte schnellstmöglich durch eine Revolution (und nicht durch einen imperialistischen Kriegszug) zu Fall gebracht werden aber warum, wenn nicht aus klar politischen Gründen steht der Iran vor einem Land wie Saudi-Arabien?

Im Iran ist Christen die Religionsausübung mit Einschränkungen gestattet (verboten ist z.B. Missionierung), im "Kingdom of Horrors" a.k.a. Saudi-Arabien jedoch sind nicht einmal christliche Symbole erlaubt. Von Bibeln und Kirchen mal ganz zu schweigen. Abu Khalil fragt vollkommen zurecht wie es sein kann, dass ein Land in dem solche Verbote existieren hinter einem Land stehen kann, in dem es diese Verbote nicht gibt?

Ähnlich dubios ist die Platzierung Bahrains, wo es demnach Christen also besser gehen soll, als in Syrien, Jordanien und den Palästinensischen Autonomiegebieten.

Von solch fragwürdigen Rankings abgesehen ist die Situation der Religionsfreiheit in den islamischen Ländern verheerend. Hier muss endlich massiv Druck ausgeübt werden und dabei dürfen auch die anderen religiösen (und nicht-religiösen!) Minderheiten nicht vergessen werden.

Mittwoch, 5. Januar 2011

Zionistische Geschichtskenntnis

Was für ein saublöder Artikel zum Tode von Ahmad Hussain al-Yamani (Abu Mahir) .
"Ahmad al-Dschamani, Mitbegründer der linksgerichteten Terrorgruppe "Palästinensische Volksfront für die Befreiung Palästinas" (PFLP), ist tot."
Es heißt Yamani, nicht Dschamani. Und das "Palästinensische" am Anfang ist auch zu viel. (Das erste P in PFLP steht für popular und nicht für Palestine.)
"1971 töteten PFLP-Terroristen den jordanischen Premierminister Wasch Tel. Einer der Mörder trank vor laufender TV-Kamera vom Blut des ermordeten Politikers."
1. Hieß der Typ Wasfi al-Tal und nicht Wasch Tel (schwäbische Abkürzung von Bastelwastel?)
2. Ging die Tat nicht auf das Konto der PFLP, sondern auf das des Schwarzen Septembers
3. Erwähnt diese Propagandaseite bestimmt nicht, dass Ehud Barak 1978 vor Kameras den Leichnam von Dalal Mughrabi schändete.
"Ein Jahr später war die PFLP maßgeblich an einem Massaker auf dem israelischen Flughafen Lod beteiligt, durch das 26 Menschen ums Leben kamen."
"Maßgeblich beteiligt" war in erster Linie die so genannte Japanische Rote Armee.
"Auch der Anschlag auf die Olympischen Spiele 1972 in München geht auf das Konto der PFLP."
Nein, liebes Propagandamedium, auch das war nicht die PFLP sondern ebenfalls die Organisation Schwarzer September منظمة أيلول الأسود
"1973 ermordeten Aktivisten der Gruppe in der saudi-arabischen Botschaft in der sudanesischen Hauptstadt Khartum den amerikanischen Botschafter Cleo Noel und einen belgischen Diplomaten."
Wieder daneben.... auch das war nicht die PFLP, sondern wieder.... naja zwecklos.

Es ist immer das gleiche mit diesen uninformierten, ignoranten und arroganten Zionismuspropagandisten.
Ich wette wenn demnächst ein Hamasmitglied stirbt, werden sie sämtliche Anschläge der Hamas in die Schuhe schieben. Und beim Tode eines DFLP Mitgliedes, wird die DFLP an allen Aktionen Schuld sein. Im Endeffekt sind es ja alles Araber und die handeln, denken und fühlen eben alle gleich.
Am besten vertraut man ihnen auch nicht.

Mach deine Hausaufgaben Nowak.

No Restrictions

Die norwegische Zeitung Aftenposten, die angeblich Zugang zu allen der über 250.000 geleakten US-Diplomatendepeschen hat, veröffentlichte nun Informationen zu einem Gespräch zwischen amerikanischen Kongressabgeordneten und dem israelischen Generalstabschef der Armee Gabi Ashkenazi.

Darin geht es vor allem um die Bedrohung durch den Iran, der mittlerweile über 300 Shihab-Raketen verfüge, deren Reichweite auch einen Angriff auf Israel möglich mache.
Außerdem sagte Ashkenazi der amerikanischen Kongressdelegation, dass neben der Hamas auch die Hizbullah ihre Raketenlager in großem Umfang, nämlich auf satte 40.000 Stück aufgerüstet habe.

Dieser Feind vor der Haustür sei, trotz der Bedrohung durch den Iran, die eigentliche Gefahr für den israelischen Staat.

Juan Cole wirft dabei zurecht die Frage auf, ob die aufgestockten Waffenbestände der Hizbullah möglicherweise in erster Linie zur Selbstverteidigung bestimmt sind. Aus dem Südlibanon flogen in der Geschichte der Hizbullah nur in den wirklich ernsthaften Konfliktfällen, zum Beispiel während des Krieges 2006 größere Mengen an Raketen auf Nordisrael, also vornehmlich dann, wenn die Miliz in direkter militärischer Konfrontation zur israelischen Armee stand. In den ruhigen Zeiten, unterbrochen höchstens durch Verletzungen des libanesischen Luftraumes durch israelische Drohnen und Kampfjets, feuerte die Hizbullah keine Raketen ab.
Man kann also durchaus eine Strategie erkennen: Im Kriegsfall versucht die Hizbullah durch den Beschuss israelischer Städte einen Angriff auf den Libanon für Israel so "teuer" wie möglich zu machen. Nein, das rechtfertigt keinesfalls den Beschuss von Zivilisten aber die Bombardierung von libanesischen Zivilisten oder die Besetzung des Landes durch die israelische Armee wird eben auch nicht durch die Bedrohung Hizbullah gerechtfertigt.

Die Informationen über die aufgestockten Waffenbestände stammten Ashkenazi zufolge vom amerikanischen NSA und von israelischer Drohnenaufklärung.
"Ashkenazi told the visiting delegation that Israeli unmanned drones had had great success in identifying rocket emplacements in southern Lebanon, and that it had been aided in this endeavor by the US National Security Agency,which spies on communications."
Ganz nebenbei... all diese Drohnenflüge sind - für die, die es tatsächlich noch interessiert ein Verstoß gegen die UN-Resolution 1701.
Man stelle sich einmal die Empörung vor, wenn beispielsweise Syrien Drohnen über Tel Aviv kreisen lassen oder gar mit Kampfjets über die Stadt krachen würde. Aber es wäre wohl reichlich naiv von mir, hier eine Gleichbehandlung zu fordern.
Verängstigte Araber sind bedauerlich, verängstigte Israelis führen zur Mobilisierung der IDF unter politischer Rückendeckung der westlichen und arabischen Verbündeten.

Wie dem auch sei. Ein nächster Krieg jedenfalls dürfte wie immer vor allem arabische Zivilisten treffen.
“In the next war Israel cannot accept any restrictions on warfare in urban areas.”
... sagt Ashkenazi und tut dabei so, als ob die israelische Armee jemals in ihrer Geschichte besondere "Restriktionen" kannte, was die Bombardierung von zivilen Gebieten angeht.
Dabei ist auch dem Stabschef eine Tatsache bewusst, die normalerweise dazu führen sollte, dass man die übliche Militärstrategie (unterschiedslos draufschlagen und nochmals draufschlagen) möglicherweise überdenkt. Die Ziele nämlich, die sich die israelische Armee in den Kriegen gegen den Libanon 2006 und gegen den Gazastreifen 2008/09 gesetzt hatte wurden nicht erreicht. Die Hizbullah ist militärisch wohl stärker als je zuvor und auch die Hamas wurde nicht zerschlagen.

Apropos Hamas... Ein weiterer interessanter Punkt ist, dass Ashkenazi gegenüber der Senatsabgeordneten Kirsten Gillibrand zugegeben hat, dass die Hamas keine Kontrolle über die "even more radical groups" habe, die im Gazastreifen entstanden sind und die nach seinen Angaben bereits Teile der Hamas infiltriert haben.
Offiziell aber macht Israel noch immer die Hamas für jede einzelne Rakete verantwortlich, die aus dem Gazastreifen fliegt, auch wenn die Organisation mittlerweile große Anstrengungen unternimmt, den Raketenbeschuss durch Splittergruppen zu unterbinden.

Julian Assange hat weitere geleakte Depeschen zu Israel angekündigt. Man darf vorsichtig gespannt sein.
Ob Netanjahu auch dann noch stolz verkünden kann, dass Israel durch Wikileaks keinerlei Schaden zugefügt wurde? Wahrscheinlich.
Es scheint zumindest so, dass egal was in der Geschichte des Nahost-Konfliktes herauskam, nichts davon der israelischen Politik je ernsthaft geschadet hat.
Oder interessiert sich noch jemand ernsthaft für den Mord an Mabhouh? Für den ungehinderten Siedlungsbau? Oder für den Mord an den Aktivisten auf der Mavi Marmara? Wo doch sogar die türkische Regierung pausbäckig signalisiert, dass sie bereit ist wieder mit Israel zu kuscheln.

Ein weiterer Krieg wird kommen, ob gegen die Hamas, Hizbullah oder eben "even more radical groups". Ihre Namen werden sich ändern. Bestehen bleibt aber, dass den höchsten Preis wieder Zivilisten bezahlen werden. Den Preis für die nicht akzeptierten "restrictions on warfare in urban areas”.
Es sind diese bombardierten "urban areas" aus denen sich die zukünftigen "even more radical groups" rekrutieren werden.

Dienstag, 4. Januar 2011

IDF: Erst schießen, dann... schießen

Die IDF in voller Aktion:
Bei dem Getöteten handelt es sich um Muhammad Dharaghma. Der 21-Jährige war am Sonntag am Kontrollpunkt Bekaot angekommen. Der Palästinenser war unbewaffnet, hielt jedoch eine Glasflasche in der Hand. Einer Meldung der Tageszeitung "Jerusalem Post" zufolge hatte er die Aufforderung der Soldaten zum Stehenbleiben ignoriert. Daraufhin eröffnete ein Soldat das Feuer und schoss dem Mann in den Oberschenkel. Seinem Kommandeur gegenüber erklärte er später, er habe sich durch den Palästinenser bedroht gefühlt. Durch den Schuss eilten zwei weitere Armeeangehörige herbei. Auch sie schossen auf den Mann. Laut dem Bericht hatten sie angenommen, ihr Kamerad werde angegriffen.
Man wird die Soldaten wie immer von jeder Schuld freisprechen, schließlich waren sie die Opfer. Diese armen, vollkommen verängstigten Soldaten, von verrückten Arabern mit Glasflaschen bedroht. Und die drohen jetzt womöglich noch mit Rache!

Er vertraute keinem Araber...

Die Welt widmet dem komatösen Sharon einen leidenschaftlichen Liebesbrief.
Dabei sah er sich nie als Israeli, sondern immer als Jude. Er vertraute keinem Araber[...]
Man Stelle sich vor ein arabischer Staatsführer würde in der Welt einen gewaltigen Artikel des Lobes und der Anhimmelung gewidmet bekommen in dem der Autor anerkennend schreiben würde: "Er vertraute keinem Juden[...]"

Und von Sabra und Shatila verliert der Autor auch keine Zeile während er von den "großen militärischen Erfolgen" Sharons schwärmt.

Freitag, 31. Dezember 2010

Gaza’s Youth Manifesto for Change!

Einige Aktivisten der Jugendorganisation Sharek Youth Forum (منتدى شارك الشبابي) aus Gaza haben ein so genanntes Manifest für Veränderung veröffentlicht, das ich für lesenswert halte.

Die Aktivisten sparen nicht mit Kritik an Israel aber auch an der Hamas, die vor etwa zwei Wochen rabiat gegen die Organisation vor ging.

Weitere Informationen finden sich auch im nicht weniger lesenswerten Artikel über die palästinensische Feministin Asma' al-Ghoul:
Sorry, Hamas, I'm Wearing Blue Jeans


Ich habe das englische Original des Manifests auf die Schnelle übersetzt:

Fuck Hamas. Fuck Israel. Fuck Fatah. Fuck UN. Fuck UNRWA. Fuck USA!

Wir, die Jugend in Gaza haben genug von Israel, der Hamas, der Besatzung, den Verletzungen der Menschenrechte und die Gleichgültigkeit der Internationalen Gemeinschaft!
Wir wollen schreien und diese Mauer des Schweigens, der Ungerechtigkeit und der Teilnahmslosigkeit durchbrechen wie die israelischen F16 Flugzeuge die Schallmauer; schreien – mit all der Kraft in unseren Seelen um die gewaltige Frustration herauszulassen die uns auffrisst wegen dieser beschissenen Situation in der wir leben; Wir sind wie Läuse zwischen zwei Nägeln die einen Alptraum in einem Alptraum leben, kein Platz für Hoffnung, kein Platz für Freiheit. Wir sind es Leid in diesem politischen Kampf gefangen zu sein, wir sind die kohlenschwarzen Nächte Leid in denen Flugzeuge über unseren Häusern ihre Runden ziehen, wir sind es Leid dass unschuldige Bauern in der Pufferzone erschossen werden, weil sie sich um ihr Land kümmern. Wir sind die bärtigen Typen Leid, die mit ihren Waffen herumlaufen und ihre Macht missbrauchen, die junge Leute verprügeln oder einsperren weil sie für das demonstrieren an was sie glauben. Wir sind die Mauer der Schande Leid, die uns vom Rest des Landes trennt und uns gefangen hält in einem Stückchen Land, groß wie eine Briefmarke. Wir sind es Leid als Terroristen dargestellt zu werden, als hausgemachte Fanatiker mit Sprengstoff in unseren Taschen und dem Bösen in unseren Augen. Wir sind die Teilnahmslosigkeit Leid, die wir von der internationalen Gemeinschaft erfahren, diesen so genannten Experten darin ihre Sorgen auszudrücken und Resolutionen zu entwerfen aber Feiglinge darin, die Dinge auch durchzusetzen, auf die sie sich geeinigt haben. Wir sind krank und müde weil wir ein beschissenes Leben leben, von Israel in einem Gefängnis gehalten werden, die Hamas uns verprügelt und wir komplett ignoriert werden vom Rest dieser Welt.

Es wächst eine Revolution in unserem Inneren, eine gewaltige Unzufriedenheit und Frustration die uns zerstören wird, wenn wir keinen Weg finden diese Energie zu kanalisieren damit sie den Status Quo anfechten kann und uns ein wenig Hoffnung gibt. Der letzte Tropfen der unsere Herzen unter Frustration und Hoffnungslosigkeit erbeben ließ fiel am 30. November, als Hamas Offiziere zum Sharek Jugend Forum kamen, einer führenden Jugendorganisation (www.sharek.ps), mit ihren Waffen, Lügen und Aggressionen, jeden heraus schmissen, ein paar einsperrten und die Arbeit von Sharek verboten. Ein paar Tage später wurden Demonstranten vor Sharek geschlagen und einige eingesperrt. Wir leben wirklich einen Alptraum in einem Alptraum. Es ist schwierig Worte für den Druck zu finden, der auf uns lastet. Wir überlebten knapp die Operation Gegossenes Blei, als Israel wirkungsvoll die Scheiße aus uns heraus bombardierte, tausende Wohnhäuser zerstörte und sogar noch mehr Leben und Träume. Sie wurden die Hamas nicht los, wie sie vor hatten, aber sicherlich versetzten sie uns für immer in Angst und bescherten jedem ein post-traumatisches Stresssyndrom, weil es keinen Ort gab, an den man sich flüchten konnte.

Wir sind Jugendliche mit schweren Herzen. In uns tragen wir ein Gewicht so gewaltig, dass es uns schwer fällt den Sonnenuntergang zu genießen. Wie soll man ihn genießen wenn dunkle Wolken den Horizont verhängen und düstere Erinnerungen vor unseren Augen vorbei rauschen immer wenn wir sie schließen? Wir lächeln um den Schmerz zu verbergen. Wir lachen um den Krieg zu vergessen. Wir hoffen um nicht Selbstmord zu begehen, hier und jetzt. Während des Krieges hatten wir das unmissverständliche Gefühl, dass Israel uns vom Angesicht der Erde auslöschen wollte. Während der letzten Jahre tat die Hamas alles um unsere Gedanken, Verhaltensweise und Sehnsüchte zu kontrollieren. Wir sind eine Generation junger Menschen die es gewohnt sind Raketen zu sehen, eine Generation die die scheinbar unmögliche Mission trägt ein normales und gesundes Leben zu führen und die gerade so von einer massiven Organisation toleriert wird, die sich in unserer Gesellschaft wie ein bösartiges Krebsgeschwür ausgebreitet hat, welches effektiv alle Lebenszellen, Gedanken und Träume in seinem Weg tötet und die Menschen mit seinem Terrorregime lähmt. Nicht zu vergessen das Gefängnis in dem wir leben, einem Knast welcher uns von einem so genannten demokratischen Land aufgezwungen wurde.

Geschichte wiederholt sich auf grausamste Weise und niemanden scheint es zu kümmern. Wir sind verängstigt. Hier in Gaza haben wir Angst davor eingesperrt, verhört, geschlagen, gefoltert, bombardiert, getötet zu werden. Wir haben Angst zu leben, weil jeder einzelne Schritt den wir unternehmen wohl überlegt und durchdacht sein muss, es gibt überall Begrenzungen, wir können uns nicht bewegen wie wir wollen, nicht sagen was wir wollen, tun was wir wollen und manchmal sogar nicht denken was wir wollen, weil die Besatzung unsere Hirne und Herzen so furchtbar besetzt hat, dass es schmerzt und es treibt uns dazu endlose Tränen der Frustration und der Wut zu weinen.

Wir wollen nicht hassen, wir wollen nicht all diese Gefühle fühlen, wir wollen keine Opfer mehr sein. GENUG! Genug Schmerz, genug Tränen, genug Leiden, genug Kontrolle, Begrenzungen, ungerechte Rechtfertigungen, Terror, Folter, Entschuldigungen, Bombardements, schlaflose Nächte, tote Zivilisten, schwarze Erinnerungen, düstere Zukunft, herzzereißende Gegenwart, gestörte Politik, fanatische Politiker, religiöser Bullshit, genug Einkerkerung! Wir sagen Stopp! Dies ist nicht die Zukunft die wir wollen!

Wir wollen drei Dinge. Wir wollen frei sein. Wir wollen fähig sein ein normales Leben zu führen. Wir wollen Frieden. Ist das zu viel verlangt?
Wir sind eine Friedensbewegung, die aus jungen Menschen in Gaza und Unterstützern anderswo besteht, die nicht ruhen werden bis die Wahrheit über Gaza bei jedem in der ganzen Welt in dem Maße bekannt ist, dass kein stilles Einverständnis oder laute Teilnahmslosigkeit mehr akzeptiert wird.

Dies ist das Gaza Jugend Manifest für Veränderung!

Wir werden damit beginnen die Besatzung zu zerstören, die uns selbst umgibt, wir werden uns von dieser geistigen Gefangenschaft befreien und unsere Würde und Selbstachtung wieder erlangen. Wir werden dem Widerstand mit erhobenem Haupt begegnen. Wir werden Tag und Nacht arbeiten um die miserablen Zustände zu verändern unter denen wir leben. Wir werden Träume bauen wo wir Mauern begegnen.

Wir hoffen nur, dass du – ja du, der du diese Erklärung im Moment liest! - uns unterstützen kannst. Um herauszufinden wie, schreib an unsere Wand oder kontaktiere uns direkt: freegazayouth@hotmail.com

Wir wollen frei sein, wir wollen leben, wir wollen Frieden.

FREE GAZA YOUTH

Aufstände in Tunesien


Momentan fehlt mir die Zeit mehr zu schreiben, deshalb poste ich heute nur ein paar interessante Links über ein Thema das untergegangen ist in den letzten Tagen. Die Aufstände in Tunesien.

Als einer der wenigen deutschen Journalisten berichtete Karim al-Gawhary auf seinem Blog über die Vorfälle.
Die Spannungen begannen letzten Samstag, als sich Mohamed Bouazizi auf offener Straße mit Benzin übergossen und anzündetet hatte. Der 26jährige Gemüsestraßenhändler hatte einen Universitätsabschluss und konnte keine adequate Arbeit finden, um als einziger Brotverdiener seine Familie zu ernähren. Als die Behörden dann zum wiederholten Male seine Waren konfiszierten, hatte er wohl genug vom Leben. Am Mittwoch kletterte dann ein andere arbeitsloser junger Mann einen Strommast hoch und fasste an die Leitung. Zuvor hatte er noch gerufen „Nein zum Elend und nein zur Arbeitslosigkeit”.

Auf seinem Blog finden sich außerdem einige Videos und Bilder zu den Aufständen:
Ohne die Silvesterfeiern stören zu wollen: Tag 14 des Aufstands in Tunesien

Das englische Al-Jazeera hat ebenfalls einen ganz interessanten Kommentar zum Thema: Tunisia: The battle of Sidi Bouzid

Zweifellos würden die Geschehnisse eine vollkommen andere mediale Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie sich beispielsweise im Iran ereignen würden.



Nachtrag: Weitere Informationen auch hier im Blog.

Dienstag, 28. Dezember 2010

Rassismusimport

Eine israelische Lösung
Bislang werden auf deutschen Flughäfen alle Menschen gleich behandelt. Doch damit könnte bald Schluss sein - die Flughäfen wollen Passagiere je nach Herkunft, Religion und Alter unterschiedlich kontrollieren.

Aber wenn es Araber tun ist es Antisemitismus.