Das Bild zeigt die von syrischen Rebellen enthauptete Statue des Dichters Abū l-ʿAlāʾ al-Maʿarrī.
Al-Maʿarrī, geboren zu spätabbasidischer Zeit in der - heute stark umkämpften syrischen Stadt Maʿarrat al-Nuʿmān, gilt als einer der größten arabischen Dichter und Prosaautoren.
Seine religionskritischen und gegenüber Dogmatismus und Aberglaube skeptischen Werke gelten religiösen Fanatikern als Ketzerei.
Ein Freigeist, der noch fast eintausend Jahre nach seinem Tod den Zorn der Fundamentalisten auf sich zieht.
Auf archive.org gibt es zwei seiner bekanntesten Werke zum Download:
ديوان سقط الزند - Seine Gedichtsammlung "Der Zunderfunke"
رسالة الغفران - Sein Prosastück "Sendschreiben der Vergebung"
Donnerstag, 14. Februar 2013
Donnerstag, 17. Januar 2013
Plötzlich empört
Spiegel-Online über den Selbstmord eines russischen Asylbewerbers in den Niederlanden, der nach Russland abgeschoben werden sollte:
Tiefer liegender Grund der Meldung ist aller Wahrscheinlichkeit nach keineswegs die Empörung um den Selbstmord eines Asylbewerbers, weil dieser abgeschoben werden sollte, sondern die Möglichkeit darzustellen wie grausam das Putin-Russland sein muss, wenn sich sogar einer umbringt damit er nicht wieder in das Land zurück muss.
Der russische Regierungsgegner Alexander Dolmatow fühlte sich in Moskau nicht mehr sicher - und floh in die Niederlande. Doch sein Asylantrag wurde dort abgelehnt: Daraufhin hat sich Dolmatow in der Nacht zu Donnerstag in einem Flüchtlingsheim in Amsterdam selbst getötet, teilte die Vereinigung russischer Menschenrechtsanwälte mit. Demnach sollte "in wenigen Tagen" über einen Einspruch gegen die Ablehnung entschieden werden.Es ist schon erstaunlich, dass sich Medien wie Spiegel-Online plötzlich für den Selbstmord eines Asylbewerbers interessieren. Zwar kommt es auch hierzulande, dank nationalstaatlicher Abschiebepraxis immer wieder zu Selbstmorden von Asylbewerbern, davon Notiz nehmen jedoch - wenn überhaupt - nur Provinzzeitungen.
Tiefer liegender Grund der Meldung ist aller Wahrscheinlichkeit nach keineswegs die Empörung um den Selbstmord eines Asylbewerbers, weil dieser abgeschoben werden sollte, sondern die Möglichkeit darzustellen wie grausam das Putin-Russland sein muss, wenn sich sogar einer umbringt damit er nicht wieder in das Land zurück muss.
Dienstag, 15. Januar 2013
The Arab Mind: Poseners Völkerpsychologie
Dass es Völker, Nationen oder Religionen gibt, die nicht so denken und fühlen, irritiert uns. Und zu Recht. Die Europäer haben das Glück erfunden, und es besteht in der Langeweile. Glücklich das Land, das keine Helden nötig hat. So sah es Bertolt Brecht, der Prophet der letzten Menschen, und er hatte recht. Und doch gibt es Völker, Nationen und Religionen, die in heroischen Dimensionen denken und fühlen. Dazu gehören die Araber.
[...]
Wer das nicht begreift, versteht auch den Konflikt um Israel nicht.
Alan Posener in der Welt über Völker, Nationen und die Psyche der Araber.
Sonntag, 13. Januar 2013
Mutiger Tabubrecher
[I]ch will mit Quadfasel nicht zu hart ins Gericht gehen. Er hat es nicht leicht, denn nach der antisemitischen Internationale sieht er sich nun wieder einer bizarren Querfront gegenüber. Denn als mutiger Tabubrecher macht er sich nicht nur um die Aufklärung, die Moderne und Deutschland verdient, sondern steht auch in einer Reihe mit großen Männern wie Sarrazin und Günther Grass. Frei nach dem Motto:“Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.“
Anthraxit über Lars Quadfasels Beitrag zur Rechtfertigung des antimuslimischen Rassismus in konkret 1/2013 und darüber, dass man Kritiker des Antisemitismus und trotzdem ein dreckiger Rassist sein kann.
Sonntag, 25. November 2012
Hinkend...
Condoleezza Rice in der Washington Post über Marx und den Iran:
Karl Marx once called on workers of the world to unite across national boundaries. He told them that they had more in common with each other than with the ruling classes that oppressed them in the name of nationalism. Marx exhorted workers to throw off the “false consciousness” of national identity.
Today’s Karl Marx is Iran.
Mittwoch, 10. Oktober 2012
Samstag, 22. September 2012
Bewohner von Benghazi stürmen Hauptquartier der Salafisten
Riesig war der Demonstrationszug gestern im libyschen Benghazi, elf Tage nach wütenden Protesten und der Erstürmung der US-Botschaft anlässlich eines Trash-Movies über Personen mit Bärten und langen Gewändern.
Warum über diesen gestrigen "Muslim Rage" Mob jedoch heute nur vereinzelt in den Zeitungen berichtet wird liegt wohl daran, dass nicht gegen irgendwelche "Beleidigungen" gewaltsam vor europäischen oder amerikanischen Botschaften demonstriert wurde.
Stattdessen fand eine „Save-Bengasi-Demonstration" statt, bei der die Teilnehmer unter anderem gegen die verschiedenen Milizen der Region protestierten, die sich dort nach dem Sturz Qaddafis festgesetzt hatten. Der Zorn richtete sich vor allem auf die salafistisch-dschihadistische Miliz "Ansar al-Shari'a" die verdächtigt wird, an der Erstürmung der US-Botschaft und der Ermordung des Botschafters Christopher Stevens beteiligt gewesen zu sein.
Das Hauptquartier der Gruppe wurde von Demonstranten umstellt, die lautstark die Auflösung der Milizen forderten. Zwar versuchten salafistische Milizionäre noch mit Schusswaffen und islamistischen Bannern eine Drohkulisse aufzubauen, als sich jedoch trotzdem immer mehr Menschen der Demonstration anschlossen, mussten die Salafisten weichen. Das Hauptquartier wurde schließlich von der Bevölkerung gestürmt, in Brand gesetzt und anschließend von der Polizei übernommen.
Einer der Demonstranten erklärte in Bezug auf die Salafisten, dass er es leid sei von bewaffneten Männern in afghanischer Kleidung in den Straßen angehalten zu werden und Befehle zu erhalten.
Karim el-Gawhary schrieb dazu auf Twitter, dass es kaum überbewertet werden könne, dass die Bevölkerung zum ersten Mal in Eigenregie mit militanten Salafisten aufgeräumt habe.
Es ist interessant zu sehen, wann in den hiesigen Medien über Demonstrationen von wütenden Muslimen berichtet wird. Die Erstürmung eines salafistischen Unterschlupfs durch die Bevölkerung scheint jedenfalls nicht besonders erwähnenswert zu sein.
In Kairo, wo man weitere Ausschreitungen nach dem Freitagsgebet befürchtete, blieb es dagegen vollkommen ruhig. Lediglich ein müdes Häuflein von 20 Personen fand sich vor der französischen Botschaft ein, um gegen den berüchtigten Abaya und Säbel-Film und Karikaturen in der Satirezeitschrift Charlie Hebdo zu demonstrieren. Man hat andere Probleme.
Warum über diesen gestrigen "Muslim Rage" Mob jedoch heute nur vereinzelt in den Zeitungen berichtet wird liegt wohl daran, dass nicht gegen irgendwelche "Beleidigungen" gewaltsam vor europäischen oder amerikanischen Botschaften demonstriert wurde.
Stattdessen fand eine „Save-Bengasi-Demonstration" statt, bei der die Teilnehmer unter anderem gegen die verschiedenen Milizen der Region protestierten, die sich dort nach dem Sturz Qaddafis festgesetzt hatten. Der Zorn richtete sich vor allem auf die salafistisch-dschihadistische Miliz "Ansar al-Shari'a" die verdächtigt wird, an der Erstürmung der US-Botschaft und der Ermordung des Botschafters Christopher Stevens beteiligt gewesen zu sein.
Das Hauptquartier der Gruppe wurde von Demonstranten umstellt, die lautstark die Auflösung der Milizen forderten. Zwar versuchten salafistische Milizionäre noch mit Schusswaffen und islamistischen Bannern eine Drohkulisse aufzubauen, als sich jedoch trotzdem immer mehr Menschen der Demonstration anschlossen, mussten die Salafisten weichen. Das Hauptquartier wurde schließlich von der Bevölkerung gestürmt, in Brand gesetzt und anschließend von der Polizei übernommen.
Einer der Demonstranten erklärte in Bezug auf die Salafisten, dass er es leid sei von bewaffneten Männern in afghanischer Kleidung in den Straßen angehalten zu werden und Befehle zu erhalten.
Karim el-Gawhary schrieb dazu auf Twitter, dass es kaum überbewertet werden könne, dass die Bevölkerung zum ersten Mal in Eigenregie mit militanten Salafisten aufgeräumt habe.
Es ist interessant zu sehen, wann in den hiesigen Medien über Demonstrationen von wütenden Muslimen berichtet wird. Die Erstürmung eines salafistischen Unterschlupfs durch die Bevölkerung scheint jedenfalls nicht besonders erwähnenswert zu sein.
In Kairo, wo man weitere Ausschreitungen nach dem Freitagsgebet befürchtete, blieb es dagegen vollkommen ruhig. Lediglich ein müdes Häuflein von 20 Personen fand sich vor der französischen Botschaft ein, um gegen den berüchtigten Abaya und Säbel-Film und Karikaturen in der Satirezeitschrift Charlie Hebdo zu demonstrieren. Man hat andere Probleme.
Montag, 10. September 2012
Griechenland: Angriff auf Migranten und Migrantinnen
Angriff von Mitgliedern der griechischen Neonazi-Partei Chrysi Avgi auf Marktstände von Migranten und Migrantinnen.
Irak nach dem "Regime change" III
Die verlustreichsten Anschläge seit Abzug der US-Truppen aus dem Irak im Dezember 2011:
Aber deutsche Neocons betrachten den "Regime change" im Irak ja als großen Sieg (für wen eigentlich?) und würden lieber heute als morgen ähnliches im Iran und in Syrien durchziehen.
—Sept. 9: Insurgents kill at least 82 people in a wave of attacks, gunning down soldiers at an army post and bombing police recruits waiting in line to apply for jobs.
— Aug. 16: A blistering string of bombings and shootings across the country kill at least 93 people and wounded many more in a deadly show of force aimed at undermining the government's authority.
— July 23: Attacks aimed largely at security forces kill 115 people in what was the country's deadliest single day in two years.
— July 3: Bombs pound six cities and towns, killing some 40 people and raising suspicion that security forces may be assisting attacks on Shiite Muslims.
— June 28: Bombings and shootings take the lives of 22 people in attacks in Shiite neighborhoods and on security forces.
— June 16: Two car bombs kill at least 26 people in the capital on the final day of the Shiite pilgrimage.
—June 13: Car bombs strike Shiite pilgrims in several cities, killing 72 people in 16 separate explosions targeting an annual pilgrimage.
—...Und so weiter, und so weiter....
Aber deutsche Neocons betrachten den "Regime change" im Irak ja als großen Sieg (für wen eigentlich?) und würden lieber heute als morgen ähnliches im Iran und in Syrien durchziehen.
Donnerstag, 30. August 2012
Irak nach dem "Regime change" II
Jörg Kronauer in der neuen Konkret über die Opfer des Irak-Krieges:
Solche Zahlen dürften zynische deutsche Neocons wie den Osten-Sacken dagegen kaum beeindrucken. Er schwärmte ganz unkritisch von der Inspiration der Neocons und trauert ihnen in Post-Bush Zeiten wehmütig hinterher:
Diese verschobene Wahrnehmung hängt vielleicht damit zusammen, dass seit dem Abzug der US-Truppen westliche Medien kaum noch die täglichen Gewalttaten im Irak melden, während die arabischen Zeitungen hingegen regelmäßig von Anschlägen und Attentaten berichten.
Der "Regime change" wird dennoch von Leuten wie dem Osten-Sacken gefeiert, ungeachtet der Tatsache, dass sich der Krieg zwar nicht ausschließlich durch, aber doch auch als Resultat der US-Politik zu einem Flächenbrand entwickelte und den Irak in einen grausamen Bürgerkrieg zog. Desaströs wirkten sich die Analysen der Neocons aus, die die Baʿth-Partei kurzerhand für ein rein sunnitisches Projekt erklärten, dadurch Öl ins Feuer der konfessionellen Spannungen gossen und das Land an den Linien von (tatsächlichen oder zugewiesenen) Glaubensbekenntnissen spalteten.
Ich betrachte den Irak-Krieg nicht einseitig als richtig oder falsch und behaupte auch nicht, der US-Regierung sei es um das Öl gegangen, aber es zeugt von unglaublicher Arroganz, wenn nun Deutsche vollkommen unkritisch den Krieg im Irak - den sie euphemistisch "Regime change" nennen, so als ob es nur das gewesen wäre - bejubeln und als vollen Erfolg abfeiern.
Kürzlich sprach ich mit einem Iraker aus schiitisch-sunnitischem Elternhaus. Er selbst war wenig religiös, sah sich jedoch als Schiit. Auch seine Familie hatte unter Saddam leiden müssen aber dennoch beklagte er sich über die katastrophalen Auswirkungen des Krieges. Plötzlich sei es wichtig, ja sogar lebenswichtig geworden der richtigen Konfession anzugehören. Interkonfessionelle Ehen wurden undenkbar. Die desolate Sicherheitslage trieb schließlich diejenigen aus dem Land, die sich eine Flucht leisten konnten. Am Ende trauerte er, der sich als Schiit betrachtete, dem Irak unter Saddam Hussein hinterher.
Was die betroffenen Iraker denken mag deutschen Neocons egal sein. Der Herrschaft Saddam Husseins hinterherzutrauern ist sicherlich auch kein fortschrittlicher Akt. Aber man kann festhalten, dass nun einmal viele Iraker die "abenteuerlichen strategischen Überlegungen" der Neocons nicht ganz so euphorisch sehen wie deutsche Neocons. Dies zeigt auch ein Bild, das unter Irakern auf Facebook zirkulierte.
»The Lancet« kam jedenfalls zu dem Schluß, daß mehr als 650.000 Menschen heute noch leben könnten, hätte der Westen den Krieg unterlassen. Stimmen diese Annahmen, dann hat der Krieg die Bevölkerung des Irak um 2,5 Prozent dezimiert.
Solche Zahlen dürften zynische deutsche Neocons wie den Osten-Sacken dagegen kaum beeindrucken. Er schwärmte ganz unkritisch von der Inspiration der Neocons und trauert ihnen in Post-Bush Zeiten wehmütig hinterher:
Während ihre erklärten Gegner - sowohl in den USA als auch Europa- in den Jahren nach 9/11 keine einzige eigene Idee entwickelten, was mit dem in Stagnation darniederliegenden Nahen Osten geschehen sollte und ihm deshalb “more of the same” verordneten, mögen die strategischen Überlegungen der Neocons abenteurlich geklungen haben. Die Ereignisse aber geben ihnen Recht. Ach, wenn es nach ihnen gegangen wäre, das nur so zur Erinnerung, dann hätten sowohl in Syrien wie dem Iran längst Regime Changes stattgefunden.Wenn man sich aber den Irak anschaut wie er heute aussieht und was er in der langen Kriegs- und Bürgerkriegsphase durchleben musste, dann kann kein Mensch von Verstand solche Lobeshymnen anstimmen.
Diese verschobene Wahrnehmung hängt vielleicht damit zusammen, dass seit dem Abzug der US-Truppen westliche Medien kaum noch die täglichen Gewalttaten im Irak melden, während die arabischen Zeitungen hingegen regelmäßig von Anschlägen und Attentaten berichten.
Der "Regime change" wird dennoch von Leuten wie dem Osten-Sacken gefeiert, ungeachtet der Tatsache, dass sich der Krieg zwar nicht ausschließlich durch, aber doch auch als Resultat der US-Politik zu einem Flächenbrand entwickelte und den Irak in einen grausamen Bürgerkrieg zog. Desaströs wirkten sich die Analysen der Neocons aus, die die Baʿth-Partei kurzerhand für ein rein sunnitisches Projekt erklärten, dadurch Öl ins Feuer der konfessionellen Spannungen gossen und das Land an den Linien von (tatsächlichen oder zugewiesenen) Glaubensbekenntnissen spalteten.
Ich betrachte den Irak-Krieg nicht einseitig als richtig oder falsch und behaupte auch nicht, der US-Regierung sei es um das Öl gegangen, aber es zeugt von unglaublicher Arroganz, wenn nun Deutsche vollkommen unkritisch den Krieg im Irak - den sie euphemistisch "Regime change" nennen, so als ob es nur das gewesen wäre - bejubeln und als vollen Erfolg abfeiern.
Kürzlich sprach ich mit einem Iraker aus schiitisch-sunnitischem Elternhaus. Er selbst war wenig religiös, sah sich jedoch als Schiit. Auch seine Familie hatte unter Saddam leiden müssen aber dennoch beklagte er sich über die katastrophalen Auswirkungen des Krieges. Plötzlich sei es wichtig, ja sogar lebenswichtig geworden der richtigen Konfession anzugehören. Interkonfessionelle Ehen wurden undenkbar. Die desolate Sicherheitslage trieb schließlich diejenigen aus dem Land, die sich eine Flucht leisten konnten. Am Ende trauerte er, der sich als Schiit betrachtete, dem Irak unter Saddam Hussein hinterher.
Was die betroffenen Iraker denken mag deutschen Neocons egal sein. Der Herrschaft Saddam Husseins hinterherzutrauern ist sicherlich auch kein fortschrittlicher Akt. Aber man kann festhalten, dass nun einmal viele Iraker die "abenteuerlichen strategischen Überlegungen" der Neocons nicht ganz so euphorisch sehen wie deutsche Neocons. Dies zeigt auch ein Bild, das unter Irakern auf Facebook zirkulierte.
Ja, es ist gut dass Saddam weg ist. Daraus folgt aber noch lange nicht, dass der gesamte Krieg ein voller Erfolg war, auf dessen Nachahmung in Syrien und Iran nun die kriegsgeilste Fraktion der deutschen Linken drängt.
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