al-Samidoun

Kommentare und Berichte zu Politik, Religion und Kultur mit Fokus auf den Nahen Osten.

Freitag, 17. September 2010

Holocaustverharmloser bei Welt-online

Eine Moschee in allernächster Nähe eines Standorts des Massenmords von fast 3000 Menschen, geplant und ausgeführt von Islamisten, ist eine Achtlosigkeit den Opfern und ihren Nächsten gegenüber. So wäre auch ein deutsches Kulturinstitut am Rande von Treblinka einfach fehl am Platze.

Der Typ setzt hier tatsächlich die maschinelle Ermordung von einer Million Menschen in einem Vernichtungslager mit dem Anschlag auf das World Trade Center gleich.

Es geht hier nicht um ein Kulturinstitut. Es geht um ein Grundrecht. Die Muslime, die die Moschee errichten wollen haben nichts mit dem Anschlag zu tun. Er geschah weder in ihrem Sinne noch mit ihrer Unterstützung.

Hätte die Hizbullah den Wiederaufbau der Beiruter Synagoge abgelehnt, noch dazu mit einer solch himmelschreiend dämlichen Begründung, wäre das ein Titelthema bei der Welt.

So ist es eine Verharmlosung des Holocausts, über die die Deutschen gerne hinwegsehen.

Die Spitze der Absurdität

Die irakische Regierung hat zugestimmt den amerikanischen Opfern von Folter durch das Saddam Regime 400 Millionen Dollar zu zahlen.

Wir leben wirklich in Orwellschen Zeiten.

Jetzt müssen sich nur noch die Vietnamesen endlich dafür entschuldigen was sie den Amerikanern angetan haben.

"Wohin treibt der Islam?"

Eigentlich halte ich nichts von TV-Sendungen über den Islam. In den seltensten Fällen sehenswert, ereifert sich der Großteil an den gängigen Klischees und nimmt sich selbst viel zu ernst.
Aufopferungsvoll nahm ich mir dennoch vor, den vom ZDF ausgestrahlten Zweiteiler „Wohin treibt der Islam?“ genauer zu betrachten.
Schließlich hatte ich schon viel Gutes über den Film gehört.

Doch bereits der Anfang der Sendung ließ mich Schlimmes befürchten. Denn selbstverständlich muss ein Film über den Islam mit den brennenden Türmen des World Trade Centers beginnen. Daran führt nun einmal kein Weg vorbei.
Ein bald zehn Jahre altes Ereignis ist auch heute noch DER zentrale Punkt wenn man über den Islam mit seiner 1400 Jahre alten Geschichte spricht. So als ob den Islam und die 1,4 Milliarden Muslime der Erde seit neun Jahren nichts anderes bewegt hätte, als der Anschlag auf die Vereinigten Staaten.

Und so deutete bereits der Anfang darauf hin, dass hier wie so oft die islamische Welt durch die westliche Brille betrachtet wird. Nicht das alltägliche Leben der Muslime interessiert, sondern die gruseligen Auswüchse. Nach ähnlicher Logik, dürfte man Wetterberichte auch nur noch dann senden, wenn sich ein besonders schweres Unwetter ereignet. Die alltäglichen harmlosen aber eben uninteressanten Banalitäten werden ausgeblendet.

Dementsprechend ging es auch weiter. Der Sprecher begann mit bedeutungsschwerem Ton: „Das Morrrgenland....“ während ein blutroter Himmel mit einer zwischen Minaretten aufgehenden Sonne gezeigt wurde. Edward Said hätte seine wissenschaftliche Freude an diesem stimmungsvollen Intro gehabt. War das nun der Anfang vom Prince of Persia Film oder von einer ZDF-Produktion mit Bildungsanspruch?

Doch während ich noch über diesen wirklich misslungenen Einstieg nachdachte, veränderte sich plötzlich der Ton der Dokumentation. Die Macher hatten es sich zur Aufgabe gemacht, differenziert den Begriff des Dschihads zu erklären. Und man muss wirklich sagen, dass ihnen das gelungen ist. Natürlich hat der interessierte Bürger schon vom Unterschied zwischen dem kriegerischen kleinen Dschihad und dem großen Dschihad als Kampf gegen die eigenen Schwächen gehört aber der Film schaffte es diesen Unterschied anhand verschiedener Personen zu verdeutlichen, die so gar nicht in das Klischee der immer grimmigen Moslems passten.

Ganz im Gegenteil. Die knapp porträtierten Menschen wirkten einfach völlig normal in der Ausübung ihres eigenen, ganz persönlichen Dschihads. Ob dieser jetzt darin besteht Wissen zu vermitteln, Menschen zu helfen oder sogar Tiere zu heilen.
Die zum Teil grundverschiedenen Personen haben dabei eines gemeinsam, sie sehen sich als Muslime. Der Verdienst des Films ist es also, dass er es geschafft hat die oft genannte Ungleichung „Islam ist nicht gleich Islam“ zu veranschaulichen. Was im Namen des Islams geschieht, geschieht keineswegs auch mit der Zustimmung und im Sinne aller Muslime.

Natürlich war auch dieser Film keineswegs perfekt und immer wieder schafften es die Macher trotz aller Anstrengung nicht, ihre eigenen Vorurteile unter Kontrolle zu bekommen.
Als es da um den Kampf gegen den Extremismus geht entfährt es dem Sprecher mit ernstem Ton: "In der Welt des Islams setzt man auf Härte und Abschreckung."
So als ob in der „Welt des Christentums“ Guantanamo ein Pfadfindercamp ist und der Kampf gegen Extremisten mit Puffreis und Eiskonfekt anstatt mit tödlichen Predator-Drohnen geführt wird.

Dennoch, man merkte den Machern ihre Mühe wirklich an, sich differenziert dem Thema zu widmen, was über weite Strecken auch gelang.
Dem Moslemhasser wird auch dieser Film nicht die Augen geöffnen haben. Alles Positive kann er als Taqiya abtun, auch wenn der Großteil der Muslime darüber genau so wenig Bescheid weiß, wie der Islamhasser selbst.
Alle anderen konnten etwas dazulernen und sei es nur, dass eigentlich alles eine ganze Ecke komplizierter ist als es einem die Wilders, Sarrazins und Broders weismachen wollen.

Mittwoch, 15. September 2010

Es ist amtlich: Saudi-Arabien keine Gefahr für Israel

Friedensnobelpreisträger Obama steht kurz vor dem Abschluss eines 60 Milliarden Waffendeals mit Saudi-Arabien.
Auch wenn die Israelfreunde immer noch davon reden werden, Israel sei "umzingelt von Feinden" spricht dies eine ganz andere Sprache.
Saudi-Arabien steht Seite an Seite mit Israel im Konfrontationskurs mit dem Iran.
Unlike some previous sales to Saudi Arabia, this one is not expected to be derailed by opposition in Congress or from U.S. backers of Israel, who have worried in the past about blunting Israel's military edge over its Arab neighbors.


Und auch die Israelis sind klammheimlich ganz froh darüber:
The Obama administration has repeatedly assured Israel that it is committed to protecting the Jewish state's military advantage, said Jonathan Peled, spokesman for the Israeli Embassy in Washington.

"We have had a close, consistent dialogue about it," and Israel accepts the U.S. rationale for the sale "even though we are not thrilled about it," Peled said
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Dienstag, 14. September 2010

Rechtsextreme Brandstifter

Das sind die Früchte der "wichtigen Debatte" die Sarrazin angestoßen hat:
Laut Homann gab es in Sachsen seit Januar zwölf Brandanschläge. Damit sei die Gesamtzahl aus dem Vorjahr bereits deutlich überschritten, wo acht Fälle registriert wurden. Vor allem in den vergangenen neun Wochen habe sich die Zahl der Brandanschläge "alarmierend" erhöht, sagte Homann.

Da gibt es natürlich keinen Zusammenhang zu der medialen Mobilmachung von Rechtsauslegern wie Sarrazin.

Die sächsische SPD hat ein konsequentes Vorgehen gegen rechtsextreme Brandstifter gefordert.

Warum fängt sie damit nicht in der eigenen Partei an?

Karzai: Unser Mann in Afghanistan

Ruttig: Diese Wahlen werden sicher das bestehende politische System unter Präsident Hamid Karzai, weiter festigen. Aber das ist etwas anderes als Stabilität für das Land Afghanistan. Denn die Regierung Karzai und die Art und Weise ihrer Regierungsführung sind vor allem eine der Ursachen für die momentane Instabilität.

Die moralischste Armee (4)

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation B'Tselem werden isrealische Soldaten die Palästinenser töten so gut wie nie zur Verantwortung gezogen. Selbst wenn die Umstände ernsthaft auf eine kriminelle Handlung hinweisen.
B'Tselem said that from 2006 to 2009 the military had opened investigations into just 23 of 148 cases submitted by the group. The cases concern the killing of 288 civilians.

Wären die Toten Juden, würde die Strafverfolgung wunderbar funktionieren.

Bei den angegebenen Zahlen wurden die knapp 1.400 Toten vom Angriff auf den Gazastreifen 2008 nicht berücksichtigt.

Es ist sicher, dass Abbas diese Punkte nicht ansprechen wird bei den Friedens"verhandlungen".

Sonntag, 12. September 2010

Kant-Medaille für Sultan Space

Hobby-Astronaut und Mitglied der saudischen Königsbande Sultan bin Salman bin Abdulaziz Al Saud bekommt die "neu geschaffene Kant-Medaille" verliehen.
Prinz Salman dankte der Akademie für den warmherzigen Empfang und betonte, dass dies nicht nur eine Ehrung für ihn, sondern auch für seine Heimat sei. Er hoffe, dass die Beziehungen zwischen Deutschland und Saudi-Arabien, zwischen Berlin und Riad, weiterhin so freundschaftlich fortgesetzt würden.

Wenn doch mal die Beziehungen zwischen Volk und Königshaus in Saudi-Arabien so "freundschaftlich" wären...

Freitag, 10. September 2010

"Die Analogie ist einfach falsch."

Shaun Halper hat in der Zeit einen lesenswerten Artikel über die in den US-Medien allgegenwärtigen Iran-Nazideutschland Vergleiche geschrieben.
Nein, entgegen der oberflächlichen Erscheinung hat die amerikanische Hitler-Obsession nichts mit der vermeintlichen oder realen Gefahr zu tun, die von Iran ausgeht. Sie ist vielmehr ein Versuch, zu den glorreichen Zeiten des Zweiten Weltkriegs zurückzukehren, in die Zeit der sogenannten "Goldenen Generation" und damit in eine Phase, die die "1938er" als stolzen Kampf gegen ein klar identifizierbares Böses romantisieren.

Donnerstag, 9. September 2010

"Der Islam wird als Kultur untergehen"

WELT ONLINE: Sie sprechen auch davon, dass Israel den Arabern ständig den Spiegel vorhält und ihnen vor Augen führt, in welch umfassender wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Stagnation sie verharren. Ist das auch ein Grund für den Hass auf die Juden?

Abdel-Samad: Ja. Israel ist ein Beispiel dafür, dass es auch im Nahen Osten eine florierende Wirtschaft, gepaart mit einer demokratischen Grundordnung, geben kann. Es liegt also nicht an der Region, sondern an der Geisteshaltung. Aus dem Zionismus ging ein demokratischer Staat hervor, der trotz aller militärischen Auseinandersetzungen demokratisch geblieben ist.

Die gleichen Kriege galten den arabischen Herrschern jedoch als Rechtfertigung dafür, Kriegsrecht zum Dauerzustand zu machen und Demokratie nicht zuzulassen.

Die arabisch-islamische Welt hat den Zug der Moderne verpasst, und ihr bleibt nichts anderes übrig, als auf dem Gleis zu stehen und auf den Lokführer zu fluchen – und das ist der Westen.


Es ist verständlich, dass Herr Samad jetzt schnell ein paar Kröten mit seinem Buch machen will, vor allem wo er doch so prima im Sarrazin Strom mitschwimmen kann.

Man hört doch gern von Migranten selbst, wie minderbemittelt sie eigentlich sind. So auch wenn Kelek davon spricht, dass muslimische Männer sich eben auf ihre Schafe stürzen, wenn sie nichts finden was sie besteigen können.
Der muslimische Mann sei, in den Augen seiner Glaubensbrüder und -schwestern, ständig herausgefordert, so Kelek. «Er muss sich entleeren, heißt es, und wenn er keine Frau findet, dann eben ein Tier oder eine andere Möglichkeit.»

Für solch "mutige" Aussagen bekommt die Dame sogar den Friedenspreis der neoliberalen Friedrich-Naumann Stiftung.

Was Herr Samad jedoch nicht verstanden zu haben scheint ist die Tatsache, dass er schlecht einen Staat, der mit Milliarden Zuschüssen und anderen Hilfsleistungen aus dem fremden Boden gestampft wurde, mit Ländern vergleichen kann, die sich zur selben Zeit mühsame aus den kolonialen Fängen des Westens befreien konnten.

Ist es nicht der Westen, der alles dafür tut den Status Quo in Ländern wie Ägypten und Saudi-Arabien zu halten? Der die Regime dort mit Unsummen unterstützt, damit dort bloß nicht die Falschen (zb. Demokraten) an die Macht kommen.
Bekommt das kleine Israel nicht über zwei Milliarden US-Dollar jährlich? Von anderen Geschenkchen wie kostenlosen deutschen Waffenlieferungen mal ganz abgesehen.

Und auch im Rest des Interviews zeigen sich die alten Muster kolonialer Argumentationsweise. Auf der einen Seite der rationale und nüchterne Westen auf der anderen Seite der still stehende und irrationale Orient, unfähig sich seinen Problemen zu stellen.
Warum ist die arabisch-islamische Welt Wort-unfähig, warum ist sie nicht in der Lage, sich argumentativ mit Problemen auseinanderzusetzen?

Wortstark und argumentativ zielsicher hat sich zum Beispiel auch die westliche Welt nach dem 11. September ihren Problemen gewidmet. Militäreinsätze in Afghanistan, Irak, im pakistanischen Grenzgebiet, im Jemen, usw...
Das zählt jedoch nicht. Man ist schließlich dort um Frieden und Zivilisation zu bringen.
US-Soldaten behandelten Leichenteile wie Trophäen

Nach Medienberichten sollen amerikanische Soldaten Finger- und Beinknochen von getöteten Zivilisten bei sich getragen haben.

Ja, ja... der nüchtern argumentierende Westen.