al-Samidoun

Kommentare und Berichte zu Politik, Religion und Kultur mit Fokus auf den Nahen Osten.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Obamas Kriege - Jemen

The U.S. media paid scant attention in June when Amnesty International released a report charging that U.S. cruise missiles carrying cluster bombs had struck the village of al Majalah in southern Yemen on Dec. 17, 2009, killing 41 civilians, including 14 women and 21 children.

Die Wikileaks Dokumente bestätigen die Vermutungen, dass die US-Regierung in Angriffe auf angebliche Al-Qaida Ziele im Jemen beteiligt ist.
Dahingehende Äußerungen wurden jedoch stets vehement bestritten.
Nach der Veröffentlichung von Aussagen des jemenitischen Präsidenten Abdallah Saleh allerdings, verdichten sich die Indizien, dass die Angriffe nicht von Seiten der jemenitischen Regierung aus erfolgten, sondern von Seiten der US-amerikanischen.
So versprach Abdallah Saleh, er werde auch weiterhin behaupten die Bomben wären von ihm und nicht den Amerikanern geworfen worden.

Wie zitiert starben bei einem solchen Angriff im Dezember 2009 41 Zivilisten, darunter 14 Frauen und 21 Kinder.

Wie dem auch sei, man sollte dabei eines stets im Hinterkopf behalten: Dieser Krieg ist kein Erbstück aus der Bush Ära, sondern ein Obama Krieg. Und da kann dieser Mensch noch so viele Friedensnobelpreise bekommen, die unzähligen toten Zivilisten in Afghanistan, Pakistan, Jemen und Irak macht das nicht wieder lebendig.

Montag, 29. November 2010

Wikileaks: Kein Schaden für Israel

Israel hat durch die Veröffentlichung bei Wikileaks keinerlei Schaden erlitten. Diese Ansicht äußerte Premierminister Benjamin Netanjahu am Montag vor Journalisten in Tel Aviv.

Und damit hat er nicht unrecht.
Die Dokumente enthalten überraschenderweise absolut nichts relevantes in Bezug auf die israelische Politik.

Ein Grund für wilde Verschwörungstheorien sollte dies aber gewiss nicht sein.

Stattdessen lässt man sich besser ägyptisch-israelische Liebkosungen auf der Zunge zergehen:
In einer Depesche geht es um ein Treffen des israelischen Regierungschefs mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak. Darin wird Netanjahu als "charmant und intelligent" beschrieben, doch halte er seine Versprechen niemals ein. Mubarak beteuerte infolge der Enthüllung, er habe diese Einschätzung auch direkt gegenüber Netanjahu geäußert. Dessen Reaktion zitiert die Nachrichtenagentur dpa: "Ich werde Ihnen als charmanter und intelligenter Mensch antworten. Mubarak ist einer der wichtigsten Führer in der Region und unser Partner in den Friedensbemühungen."

Sind sie nicht süß die beiden?

Ein paar Gedanken zu Al-Qaida, den Houthis, Saudi-Arabien und Iran

Im Jemen kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen den so genannten Houthi-Rebellen und Regierungstruppen. Dieser Konflikt weitete sich in den vergangenen Jahren zu einem regelrechten Bürgerkrieg aus.
Die Houthis, ein marginalisierter, zaiditischer Stamm, sehen sich von der Regierung benachteiligt und fordern deshalb mehr Rechte, was auch immer das konkret heißen möge.

Die (fünfer-)schiitischen Houthis werden angeblich von den (zwölfer-)schiitischen Iranern unterstützt. Religiös haben sie zwar meiner Meinung nach wenig gemeinsam, dennoch werden sie nach Angaben der Achse Yemenitische Regierung – Saudi-Arabien - USA vom Iran mit Waffen unterstützt.

Deshalb blickt das benachbarte Königreich Saudi-Arabien mit Sorge auf den Houthi-Stamm im Jemen. Für Saudi-Arabien ist der Iran eine Art Erzfeind, ein großer, regionaler Konkurrent und da verwundert es nicht, dass König Abdallah laut den Wikileaks Dokumenten Druck auf die USA ausgeübt habe den Iran zu attackieren. Auch wenn es natürlich offiziell immer hieß, dass man keine militärischen Operationen gegen den Iran unterstütze.

Vor fünf Tagen kam es zu einen Anschlag auf eine Wagenkolonne der Houthis für den jetzt der jemenitische Al-Qaida Ableger die Verantwortung übernahm.
Wenn man nun bedenkt, dass aus den Wikileaks Dokumenten zudem hervorgeht, dass die Hauptfinanziers Al-Qaidas in Saudi-Arabien sitzen, schließt sich der Kreis.

Das saudische Königreich hat in dieser Hinsicht also ein direktes Interesse an einer starken Al-Qaida im Jemen, die dort die „schiitischen Rebellen“ in Schach halten könnte.
Man könnte sich dann zudem fragen, warum die Saudis etwas dürfen, was für Afghanistan einen Krieg bedeutete.


Aber natürlich ist all das pure Spekulation...

(...bis zu den nächsten Dokumenten die geleakt werden?)

Sonntag, 28. November 2010

Wikileaks: Der große Wurf?

Ich glaube, dass die momentan öffentlich gemacht werdenden Wikileaks Dokumente diesmal wirklich einige interessante Details enthalten könnten. Vielleicht sogar noch viel mehr als das.

Viele Vermutungen über die Verbindungen zwischen USA-14.März-Saudi-Arabien-Israel-Ägypten scheinen sich nun zu bestätigen.

Noch etwas spricht dafür, dass die Dokumente Brisantes enthalten.
Arabische Nachrichtenseiten hatten die Veröffentlichung angekündigt, doch nun herrscht eine merkwürdige Stille um die Dokumente. Auf die Schnelle habe ich nur bei al-Jazeera einen längeren Bericht gefunden. Inhaltliche Informationen sind jedoch rar.

Eines lässt sich aber bereits jetzt sagen: Das Szenario vom von Feinden umgebenen Israel scheint nun offiziell mehr und mehr auseinanderzubrechen.

Es ärgert mich, dass ich in den nächsten Tagen kaum Zeit finden werde die Dokumente genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich bin mir sicher, dass da wirklich einige unheimlich Interessante Details herauskommen werden.

Auf dem Blog von As'ad Abu Khalil - dem Angry Arab - gibt es heute eine Flut neuer Blogeinträge. Jeder der sich für die Inhalte der Dokumente, vor allem diese, die sich mit dem Nahen Osten beschäftigen, sollten dort vorbeischauen.

Prinzessin Koks und andere saudische Peinlichkeiten

Im Appartment einer saudischen Prinzessin hat die Polizei 110 Kilo Kokain sichergestellt. Die Drogen haben einen Schwarzmarktwert von sieben Millionen Euro.

Das saudische Königshaus erspart der Welt wirklich keine einzige Peinlichkeit.

Doch neben Drogenexporten und der Verbreitung anderer Gifte (religiöser Fundamentalismus) gibt es auch gute Nachrichten aus Saudi-Arabien zu vermelden: Prinz Nayif Abd al-Aziz hat bestätigt, dass König Abdallah bin Abd al-Aziz nach seiner Operation bereits die ersten, vorsichtigen Schrittchen vor dem Krankenhaus tun konnte.
Die Welt atmet auf und unbestätigten Berichten zufolge haben sich Obama und der saudische König schon gegenseitig Genesungskärtchen schicken können.

Rassismus - und keine Seite bleibt verschont

"Sitzen für Hunde, Schweine und Araber verboten"
Eigentlich sollte man sich über den Artikel bei SPON freuen, in dem über den Rassismus gegenüber Arabern in Israel berichtet wird.
Zwar wird dieser Rassismus als relativ neues Phänomen, resultierend aus der aktuellen Politik der „nationalistischen Regierung“ dargestellt, obwohl sich doch bereits in den frühesten zionistischen Dokumenten klar anti-arabische Tendenzen finden, alles in allem aber sticht der Artikel positiv heraus.

Konkret berichtet wird vom Engagement des Holocaustüberlebenden Eli Zvieli der sich entschieden gegen den Rassismus vieler Einwohner der israelischen Stadt Safed stellt.
Die meisten Araber die einmal nach Israel gereist sind wissen was Rassismus in diesem Land bedeutet, den man oft bereits am Ankunftsflughafen oder dem Grenzübergang zu spüren bekommt.

Eigentlich also, sollte man sich über einen solchen Artikel freuen, wäre da nicht der Kommentarbereich, in dem der Leser direkt mit den Resultaten solcher Berichte konfrontiert wird.


Die Juden als neue Nazis


Ein Forenbeitrag nach dem anderen funktioniert nach dem Muster: früher warn's die Deutschen, heute ist's der Jude.
In diesem Punkt sind sich viele Forenschreiber einig. Ausgerechnet diejenigen, die unter den Nazis so unvorstellbar gelitten haben, würden sich nun gegenüber den Arabern ähnlich verhalten.
So beruhigt man sein deutsches Gewissen: Die Juden sind eben auch nicht besser!

In diesem Sinne schreibt eine der intellektuellen Bereicherungen des SPON-Forums, dass Juden gerade nach dem was ihnen im Dritten Reich widerfahren sei eine besondere Verantwortung hätten, dass so etwas nicht noch einmal geschehe. Nach dem Grauen des Holocausts haben Juden demnach absolut kein Recht mehr auf Rassismus! Haben sie denn gar nichts aus dem Holocaust gelernt?
Und der Autor dieses Unsinnes pikiert sich auch noch ernsthaft darüber, dass diese Aussage in einem anderen Forum zensiert worden sei. Zensur, so weit sei es also schon!


Selbst schuld, der Araber!

Doch auch "die andere Seite" benimmt sich nicht weniger daneben. Deutsche die auf Rassismus in Israel hinweisen sind laut diesen Menschen Antisemiten. Und überhaupt! Araber könnten froh sein, dass es ihnen in Israel so gut gehe.

Ein besonders widerlicher Kommentator fordert gar man solle den Holocaustüberlebenden Eli Zvieli zum "Ehrenarier" ernennen, so wie er sich durch seine Antirassismusarbeit zum Werkzeug der Antisemiten mache.
Nicht nur stellt dieser Forenschreiber Zvieli in eine Reihe mit seinen nationalsozialistischen Peinigern, der Kampf gegen Rassismus wird in diesem Zusammenhang sogar als etwas „arisches“ dargstellt.
Wer Araber vor Rassismus in Schutz nimmt, ist also selbst ein Nazi, vor allem wenn er Jude ist, da er damit ja indirekt den Rassenwahn der Nazis mit dem Rassismus von Israelis gleichsetze. Keine Argumentation scheint zu wirr um den Rassismus in Israel zu rechtfertigen.

Einem weiteren Internetrowdy zufolge liege die Schuld für den Rassismus beim Araber selbst. Israel, Deutschland und der Rest der westlichen Welt würden vor den gleichen Problemen mit Unruhe stiftenden Arabern stehen.
Der Kampf gegen klein- oder größer kriminelle Libanesen oder Marokkaner in Berlin finde somit nicht nur dort, sondern auch in der israelischen Stadt Safed statt. Der Araber als ultimativer Feind an allen Fronten der zivilisierten Welt. Und Israel führe als eines der wenigen Länder diesen dringend nötigen Kampf.
So wie für den Antisemiten eben auch die Juden selbst schuld sind am Antisemitismus, ist für den Araberfeind der Rassismus gegenüber Arabern gerechtfertigt, da diese ja selbst für ihn verantwortlich seien.

Beide Seiten schenken sich also nichts. Während die einen Antisemitismus schreien, wenn man auf Rassismus in Israel gegenüber Arabern hinweist, ist für die anderen klar, dass die Israelis die neuen Nazis sind, die sich kaum anders verhalten als die Schergen des Dritten Reichs.


Sollte man solche Artikel also vermeiden, wie von einigen Kommentatoren gefordert wird?
Natürlich nicht! Jeder Artikel der in diese Richtung geht ist wichtig. Rassismus, egal in welchem Winkel der Erde muss angesprochen werden. Auch, und manchmal gerade wenn es Gegenwind gibt.

Mit der selben Argumentation könnte man sonst auch ein Verbot von Berichten über Ehrenmorde, Zwangsverheiratungen oder Antisemitismus in der islamischen Welt verbieten da diese eben auch als gefundenes Fressen für die Rassisten auf der anderen Seite dienen und sich Rassisten von Sarrazin bis Wilders dadurch bestätigt fühlen.

Freitag, 26. November 2010

Tote und Verletzte wegen fehlenden Baugenehmigungen

Während die Medien besorgt auf die bei einem Basketballspiel zugezogene Lippenverletzung des US-Präsidenten schauen, lässt das Mubaraksystem einen Aufstand von koptischen Christen niederschießen. Die Bilanz: zwei Tote und dutzende Verletzte. Die Kopten hatten sich darüber empört, dass die Errichtung einer Kirche in der Region Giza gestoppt wurde, da es angeblich an einer Genehmigung für den Bau fehle.

Der benachbarte und verbündete Unterdrückerstaat hat derweil über zehn Häuser in der Westbank platt gewalzt für die es angeblich ebenfalls keine Baugenehmigung gegeben habe.
Die von hunderten Soldaten mit schwerem Einsatzgerät durchgeführte Maßnahme war so gründlich, dass nun weit über hundert Menschen obdachlos geworden sind.
Die Abrisstruppe kam überraschend zum Morgengebet was dazu führte, dass ein Teil des Viehs nicht mehr vor der Zerstörung aus den Gehegen geholt werden konnte.

Über beide Ereignisse aber wird vorsichtshalber geschwiegen. Zu stark will man Husni Mubarak vor den Wahlen am Sonntag nicht in die Enge treiben und Abrisse palästinensischer Häuser interessieren auch nur, wenn sich ein israelischer Soldat dabei ein Knie aufschürft.

Konkrete Schizophrenie

Im Vorwort der neuen Ausgabe „Konkret“ wird Moshe Zuckermann noch verunglimpft indem man ihm vorwirft mit seiner neuen Veröffentlichung „Antisemit! Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument“ den Antisemiten die Arbeit abzunehmen (die Schuld am Antisemitismus liegt also wieder beim Juden selbst) um knappe 13 Seiten später dann eben dieses Werk zu bewerben.
In der Ausgabe des vergangenen Monats übrigens auch schon.

Kopftuch ohne Terror

Damit hätte ich heute wirklich nicht gerechnet!
Das Bild einer Frau mit Kopftuch in einem Artikel der rein gar nichts mit Terror, Islamismus, Ehrenmord oder Brustkrebs zu tun hat. Und das bei Spiegel-online...

Kaum Opfer im Nahost-Konflikt?

Es ist ein wiederkehrendes Phänomen in der Berichterstattung über den Nahost-Konflikt, dass der Tod von Palästinensern weniger beachtenswert erscheint, als der Tod von Israelis.
Der Tod eines Israelis landet auf den Titelseiten westlicher Zeitungen, wohingegen ein ermordeter Palästinenser nur manchen arabischen Medien einen Bericht wert ist.

Diese Tatsache, die selbstverständlich entschieden abgestritten wird, beweist sich selbst in den Aussagen von Journalisten wie Ethan Bronner wenn er in der New York Times sagt, es sei bemerkenswert, dass es in den letzten Jahren kaum tödliche Gewalt im palästinensisch-israelischen Konflikt gegeben habe.

Aus welchen Gründen "vergessen" solche Menschen (die sich als glühende Anhänger Israels verstehen) die 1400 Toten Palästinenser des Gaza-Krieges im Winter 2008/2009? Oder die dutzenden Toten die es in den letzten Jahren in der Westbank gab?

Ein wiederkehrendes Phänomen; auch bei dem tödlichen Anschlag der Hamas auf mehrere Siedler im September in der Westbank hieß es in einigen Zeitungen, dass der Anschlag das Ende einer langen unblutigen Phase des Konflikts markiere.
Unblutig? Nur wenn man "israelisches Blut" zählt und einen die palästinensischen Opfer nicht interessieren.

Zwar hat die New York Times nach dem Hinweis eines Leserbriefschreibers reagiert und mitgeteilt, dass in der Aussage Bronners nur Israel und die Westbank gemeint waren und nicht der Gaza-Streifen, doch auch dann bleibt ein solcher Satz zynisch angesichts der vielen Toten, die es eben auch in der Westbank gab. Ganz abgesehen davon, dass der Satz Bronners unmissverständlicher nicht hätte formuliert werden können und die Rechtfertigung der Zeitung äußerst unglaubwürdig erscheint.


Abermals stellt sich die rhetorische Frage: Wie würde heute die Landkarte des Nahen Ostens aussehen wenn der Leichengeruch hunderter toter Zivilisten, welcher Wochen lang über Nabatäa, Beirut oder Gaza schwebte nicht dort, sondern über Tel Aviv oder Sderot den Bewohnern und Helfern das Atmen schwer gemacht hätte?

Wie würde der Nahe Osten heute aussehen, Herr Bronner?